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Frühstart-Rente: Wie viel ist Flexibilität wert?

Ab 2027 legt der Staat für die Rente vieler Kinder an. Mit eigenen Einzahlungen können Familien aufstocken und Steuervorteile mitnehmen. Viele Familien sparen trotzdem besser im Juniordepot.

Nadine Graf
Von Nadine Graf
Kind zahlt in ein Sparschwein ein

rawpixel / magnific

Für alle Kinder, die sechs Jahre alt werden, legt der Staat ab 2027 monatlich zehn Euro für die Altersvorsorge an. Das hat das Bundeskabinett am 12. August beschlossen.

Als Elternteil hast Du zwei Optionen: Entscheidest Du Dich als Elternteil gegen ein spezielles Depot für die Frühstart-Rente, springt die Bundesbank ein. Sie legt die Förderung für diese Kinder kollektiv am Kapitalmarkt an. Mit Volljährigkeit kann das Kind selbst aktiv werden und ein Altersvorsorge-Depot eröffnen, auf das Förderung und Erträge der Frühstart-Rente als Startkapital eingezahlt werden.

Eröffnest Du ein Depot für die Frühstart-Rente, geht die staatliche Förderung in einen zertifizierten Vertrag, den Du aussuchst. In diesen Vertrag können Du und andere Angehörige zusätzlich private Einzahlungen von bis zu 6.840 Euro im Jahr machen.

Eigene Einzahlungen besser in die Frühstart-Rente oder nicht?

Geld, das der Nachwuchs vor seiner Rente braucht, gehört allerdings nicht ins Frühstart-Rentendepot. Das kann zum Beispiel Geld sein, um den Führerschein oder die Ausbildung zu zahlen. Der Grund: Entnahmen vor Renteneintritt sind hier nicht vorgesehen und daher nachteilig.

Für Familien ist es also nur dann sinnvoll, in das Frühstart-Rentendepot einzuzahlen, wenn das Geld für die Altersvorsorge gedacht ist und im Lauf des Lebens nicht an anderer Stelle fehlt. Die beste Altersvorsorge bringt nichts, wenn das Kind deswegen bei der Finanzierung der Ausbildung oder des Studiums zurückstecken muss.

Geld für andere, langfristige Sparziele, legen Eltern besser in einem Juniordepot an. Das sorgt für maximale Flexibilität: bei der Verwendung des Kapitals, den Produkten, Anbietern und Kosten.

Alternative Juniordepot

Wenn Du eher kleinere Sparraten für Dein Kind planst, solltest Du damit die Flexibilität des Juniordepots oder anderen Geldanlagen ohne staatliche Förderung nutzen. Nur wer sich sicher ist, mit Kapital aus dem Juniordepot oder anderen Quellen für alle mittel- und kurzfristigen Sparziele gut sorgen zu können, kann darüber hinaus die privaten Einzahlungen in das Frühstart-Rentendepot nutzen. So kannst Du als Elternteil bereits früh für die Altersvorsorge Deines Kindes Geld fest anlegen und profitierst von einem Steuervorteil. Denn wie auch später im Altersvorsorge-Depot ist über die Frühstart-Rente angelegtes Geld bis zur Rente steuerfrei. Hinzu kommen die zehn Euro pro Monat vom Staat.

Gehen wir je von einer Rendite von durchschnittlich sechs Prozent und 0,2 Prozent Kosten pro Jahr aus, ist der Unterschied laut Finanztip-Berechnungen zwischen den Anlagewegen aber nicht groß: Steuervorteil und Förderbetrag machen bis zum 18. Geburtstag maximal ein Plus von 1,72 Prozent aus. Das aber auch nur, wenn Familien jedes Jahr den Höchstbetrag von 6.840 Euro im Frühstart-Rentendepot statt im Juniordepot anlegen.

Für diese maximal 2.000 Euro mehr am 18. Geburtstag müssen die Familien aber auch einen Betrag von insgesamt 82.000 Euro anlegen. Bei kleineren Beträgen ist die Differenz entsprechend geringer.

Was ist, wenn Familien nichts einzahlen?

Die kollektive Anlage der Bundesbank legt die Förderbeträge von Kindern an, für die kein Frühstart-Rentendepot eröffnet wird. Bis zur Volljährigkeit legt der Staat insgesamt bis zu 1.440 Euro für jedes Kind an (zwölf Jahre lang jeden Monat zehn Euro). Bei einer Rendite von durchschnittlich sechs Prozent und 0,2 Prozent Kosten pro Jahr, werden daraus zunächst 2.200 Euro. Wird das Kind volljährig, wird dieses Guthaben als Startkapital in ein Altersvorsorge-Depot übertragen, wodurch sich mit der gleichen jährlichen Rendite bis zum Renteneintritt rund 25.000 Euro zusätzliches Vermögen ergeben.

Über den langen Anlagezeitraum bis zur Rente wird das meiste aus der Förderung herausgeholt. Ihre Rentenlücke werden die Kinder damit später aber sehr wahrscheinlich nicht schließen können. Private Vorsorge bleibt also wichtig und kann bereits im Kindesalter beginnen. Neben der Möglichkeit selbst in das Frühstart-Renten-Depot einzuzahlen, ist es für viele Familien sinnvoller mit anderen Produkten wie einem Juniordepot vorzusorgen und das Geld flexibler einsetzen zu können.

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