Der bessere Welt-ETF? Das ist der Haken
Der hohe US-Anteil in weltweiten Aktien-ETFs sorgt immer wieder für Fragen. Nun gibt es einen ETF, der das geraderücken soll. Das sagt Finanztip dazu.

Der hohe US-Anteil in weltweiten Aktien-ETFs sorgt immer wieder für Fragen. Nun gibt es einen ETF, der das geraderücken soll. Das sagt Finanztip dazu.


Hoher Anteil: US-Konzerne in Welt-ETFs stark vertreten
Die Lösung? Dieser neue Amundi-ETF gewichtet nach BIP
Haken: Mehr China – aber anders, als Du Dir vorstellst
Nur 30,9 % US-Anteil statt 61,7 %: So stark verändert ein neuer Aktien-ETF von Amundi das Gewicht der US-Konzerne am FTSE All World. In diesem Index stecken die 4.300 größten börsennotierten Unternehmen aus 49 Ländern.
Und die werden im neuen ETF ganz anders bewertet als bisher. Normalerweise sind die Aktien in so einem Index nach Marktkapitalisierung gewichtet.
Heißt: Der Wert der Aktien einer Firma, die frei am Markt handelbar sind, wird zusammengerechnet. Je höher der Gesamtwert ist, desto mehr Anteil bekommt die Aktie am Index. Kommen viele wertvolle Firmen aus einem Land, steigt dessen Anteil.
Dadurch dominieren US-Konzerne den Index und zugehörige ETFs, z. B. den Vanguard FTSE All-World ETF (IE00BK5BQT80). Nvidia (4,5 %), Apple (4,0 %) und Microsoft (2,6 %) haben darin das größte Gewicht (Stand 24. Juli, 9:00 Uhr).
Der hohe US-Anteil sorgt immer wieder für Kritik und Sorge: Der eigene Vermögensaufbau soll damit zu stark von US-Konzernen und der Wirtschaft in den USA abhängen. Und gleichzeitig Länder wie z. B. China unterrepräsentiert sein.
Diesen Kritikpunkt soll der neue, thesaurierende ETF von Amundi auflösen. Der „FTSE All World GDP-Weighted UCITS ETF“ (IE000KCKFHE8) ist auf Länder-Ebene nicht nach Marktkapitalisierung gewichtet, sondern nach dem Bruttoinlandsprodukt (BIP).
Bedeutet: Der ETF gewichtet den Anteil eines Landes nach dessen Anteil am Welt-BIP. Wie hoch der Anteil der einzelnen Aktien innerhalb eines Landes ist, bestimmt sich aber weiter nach der Marktkapitalisierung.
Entscheidend ist dann nicht nur, wie viel die Konzerne an der Börse insgesamt wert sind. Sondern wie hoch der Anteil eines Landes an der globalen Wirtschaftsleistung ist. Und das hat Konsequenzen.
Durch die BIP-Gewichtung werden die größten Länder kräftig durcheinandergewürfelt (Stand 24. Juli):

Auch bei den größten Firmen im ETF ändert sich etwas, Microsoft fällt auf Platz 5 hinter Tencent und Alibaba zurück.

Außerdem ist der stärkste Wirtschaftssektor nicht mehr die Technologiebranche. Sie hat im „normalen“ FTSE All World einen Anteil von ca. 35 %. Stattdessen liegt die Finanzbranche mit knapp 23 % vorne.
Solltest Du in so einen Aktien-ETF investieren? Wir sehen dabei zwei Dinge, die Du wissen solltest.
Das BIP misst die jährliche Wirtschaftsleistung eines Landes. Das Problem: Wenn Du in einen Aktien-ETF investierst, kaufst Du keine Wirtschaftsleistung, sondern Anteile an börsennotierten Unternehmen.
In große Teile der Wirtschaftsleistung vieler Länder kannst Du an der Börse nicht investieren, da sie nicht durch handelbare Aktien abgebildet werden. Das gilt für China ganz besonders.
So ist z. B. die „State Grid Corporation“, die Chinas Stromnetz betreibt, laut der „Fortune Global 500“ das nach dem Umsatz drittgrößte Unternehmen der Welt. Das Unternehmen ist wie andere chinesische Staatskonzerne aber nicht an der Börse.
Aber auch in Deutschland hast Du dieses Problem. So sind z. B. Aldi (egal ob Nord oder Süd), Bosch und Lidl ebenfalls nicht an der Börse, obwohl sie einen größeren Teil zum BIP beitragen.
Länder können wirtschaftlich enorm stark sein, ohne dass Du dort in entsprechend viele Konzerne investieren kannst. Einfach, weil es dort keine große Aktienkultur gibt oder ein offener Aktienmarkt vom Staat nicht gefördert wird. Durch die BIP-Gewichtung steckst Du dann viel Geld in einen relativ kleinen Aktienmarkt.
Viele große Konzerne verdienen weltweit Geld. Wenn z. B. BMW in China Autos herstellt und dort verkauft, entsteht ein großer Teil der Wertschöpfung in China – und wird dem dortigen BIP zugerechnet.
Die BMW-Aktie ist aber trotzdem Teil des deutschen Aktienmarkts. Bei einer BIP-Gewichtung erhöht BMWs China-Geschäft also den Anteil Chinas. Der Firmensitz sagt also gar nicht so viel aus – und der Schwellenländer-Anteil ist in Standard-ETFs eigentlich viel höher. In China verkaufte BMWs oder iPhones sind ja trotzdem in Deinem ETF.
Zugespitzt gesagt: Wenn BMW mehr zur chinesischen Wertschöpfung beiträgt, sorgt das dafür, dass der ETF mehr chinesische Aktien kauft. In Deinem ETF landen also chinesische Aktien aller möglichen Branchen – und gar nicht die ausländischen Firmen, die dort entwickelt, produziert und verkauft haben. Das ist schief.
Das nationale BIP und der tatsächliche Aktienmarkt passen nicht immer sauber zusammen.
Wenn Du in einen BIP-gewichteten, weltweiten Aktien-ETF investieren willst, machst Du nichts völlig falsch. Der Amundi-ETF ist immer noch breit gestreut.
Aber Du investierst damit nicht mehr nach dem Finanztip-Ansatz, passiv nach der aktuellen Marktbewertung anzulegen. Also langfristig Gewinne laufen zu lassen, ohne von außen einzugreifen – z. B. mit einer Sortierung nach dem BIP.
Außerdem ist der ETF noch keine fünf Jahre auf dem Markt, sein Volumen liegt unter unserem Mindestwert von 100 Mio. € und seine Kosten sind minimal zu hoch. Mit 0,3 % ist er teurer als klassische FTSE All World ETFs.
Wir empfehlen Dir deshalb: Setz auf einen normalen, weltweiten Aktien-ETF, der die Unternehmen komplett nach Marktkapitalisierung gewichtet. Dafür empfehlen wir Dir vor allem den MSCI ACWI IMI.
So investierst Du in Industrie- und Schwellenländer, er enthält außerdem auch Aktien von kleineren Konzernen. Das geht z. B. mit dem SPDR MSCI ACWI IMI (thesaurierend: IE00B3YLTY66; ausschüttend: IE000DD75KQ5).
Aber auch zwei Vanguard-ETFs auf den „normalen“ FTSE All World sind eine Finanztip-Empfehlung: IE00BK5BQT80 (thesaurierend) und IE00B3RBWM25 (ausschüttend). Außerdem empfehlen wir den iShares MSCI ACWI (IE00B6R52259).
Und gib nicht zu viel Geld für unnötige Kosten beim Depot aus, setz auf einen günstigen Anbieter, wie z. B. unseren Preis-Leistungs-Sieger Traders Place.
Alle Details findest Du in unserem Depotvergleich.
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