Altersvorsorgedepot oder Riester-Rente?

Finde heraus, ob sich ab 2027 ein Wechsel von Deiner Riester-Rente in das neue Altersvorsorge-Depot oder sich sogar noch ein Abschluss einer alten Riester-Rente 2026 lohnt. Der Rechner zeigt Dir auf Basis Deiner persönlichen Angaben, in welcher Variante mehr für Deinen Ruhestand herausspringt.

Jan Scharpenberg
Jan Scharpenberg
Experte Rente
Aktualisiert am 06. Mai 2026
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Häufige Fragen zum Altersvorsorgedepot

Wie funktionieren altes und neues Fördersystem?

Das neue Fördersystem für das Altersvorsorgedepot funktioniert über staatliche Zulagen, Steuerersparnisse oder einer Mischung davon. Du bekommst 50 Prozent Zuschuss auf Dein eingezahltes Geld bis zu einer Grenze von 360 Euro im Jahr. Das macht 180 Euro.

Zahlst Du weiteres Geld bis zu einer Grenze von 1.800 Euro im Jahr ein, gibt Dir der Staat darauf 25 Prozent Zuschuss. Das macht weitere 360 Euro, was die Zulage auf insgesamt 540 Euro erhöht.

Für jedes kindergeldberechtigte Kind, gibt es pro eingezahltem Euro einen Euro Förderung. Maximal sind 300 Euro Kindergeldzulage drin, wenn Du 300 Euro im Jahr einzahlst. Alle Infos im Detail findest Du auch in unserem Ratgeber zum Altersvorsorgedepot.

Über die Steuererklärung ist eine weitere steuerliche Förderung möglich.  Die Förderung orientiert sich am Riester-System, soll aber einfacher verständlicher und finanziell besser als das alte Riester-Fördersystem sein. Zu dem kommen wir jetzt.

Wie wird in der alten Riester-Welt gefördert?

Im alten Fördersystem erhältst Du 175 Euro Grundzulage und 185 Euro Kinderzulage, falls Dein Kind vor 2008 geboren ist. Ist es danach geboren, bekommst Du 300 Euro Kinderzulage. Wie im neuen Fördersystem müssen die Kinder kindergeldberechtigt sein.

Der große Unterschied ist die Voraussetzung wann Du überhaupt Zulagen erhältst. Dafür musst Du jedes Jahr vier Prozent Deines Bruttojahreseinkommens aus dem Vorjahr einzahlen. Allerdings werden auf diesen sogenannten Eigenanteil auch die Zulagen selbst angerechnet.

Heißt: Bei viel Zulage und wenig Einkommen, kann es sein, dass Du im Jahr nur den Mindestbeitrag von 60 Euro zahlen musst. Daher stammt die Faustregel, dass sich alte Riester-Verträge für Geringverdiener mit mehreren Kindern lohnen können. Ob das im Vergleich zum AV-Depot auch bei Dir der Fall ist, zeigt Dir unser Rechner.

Er bildet auch die steuerliche Förderung im alten System ab. Denn Zulagen und Einzahlungen lassen sich bis zu 2.100 Euro als Sonderausgaben absetzen.  

Solltest Du von Riester zum Altersvorsorgedepot wechseln?

Der wichtigste Anhaltspunkt für die Beantwortung dieser Frage ist Dein aktueller Riester-Beitrag. Zahlst Du aktuell 300 Euro oder mehr pro Jahr in Deinen Riester-Vertrag ein, um die volle Zulage zu bekommen? Dann ist die Sache eindeutig. Du solltest 2027 ein Altersvorsorgedepot eröffnen und stattdessen dort für den Ruhestand investieren.

Die Förderung im neuen System ist dann für Dich in jedem Fall höher. Dazu kommt, dass ein Altersvorsorgedepot mit einem weltweit gestreuten Aktien-ETF deutlich bessere Renditeaussichten hat als ein Riester-Vertrag.

Sind es bei Dir weniger als 300 Euro pro Jahr, kommen nun als zweites Entscheidungskriterium Deine Kinder und Dein Einkommen ins Spiel. Denn die Anzahl kindergeldberechtigter Kinder, die Deinem Riester-Vertrag zugeordnet sind, bestimmen zusammen mit Deinem Brutto-Jahreseinkommen von 2026 die Höhe Deines Riester-Beitrags für das Jahr 2027. Aus diesem Zusammenspiel hat sich auch die Faustregel ergeben, dass sich Riester-Verträge in der alten Förderlogik hauptsächlich für Geringverdiener mit Kindern lohnen. Ob das auch für Dich der Fall ist, findest Du am besten mit unserem Tool heraus. Denn die Antwort auf die Frage der Rentabilität ist eben sehr individuell.

Wichtig ist zudem ein sehr einfacher Fakt: Das Altersvorsorge-Depot schlägt in vielen Fällen Riester-Verträge mit alter Förderung, wenn die Rendite stimmt. Die ist davon abhängig, wie das Altersvorsorge-Depot ausgestaltet ist, welches Du abschließt. Es gibt aber noch gar keine Angebote auf dem Markt. Schließe also nicht überstürzt das erstbeste Angebot ab. Du musst nicht direkt vom alten Riester-Vertrag in ein AV-Depot wechseln, sondern kannst das auch jederzeit später tun. Wir bei Finanztip werden Dich natürlich auf dem Laufenden halten und stehen mit einem Test der Altersvorsorge-Depots in den Startlöchern, sobald Sie auf den Markt kommen. 

Wann lohnt sich der Wechsel trotz Riester-Guthaben?

Bei der Eröffnung Deines Altersvorsorgedepots kannst Du das Guthaben aus Deinem bestehenden Riester-Vertrag mitnehmen. Das verändert unter Umständen, welche der beiden Varianten sich mehr für Dich lohnt – abhängig von Deinem individuellen Vertrag und der Höhe des Guthabens. Grundsätzlich gilt: Je höher Dein Guthaben, desto eher lohnt sich der Wechsel zum Altersvorsorgedepot.

Denn auch, wenn die Förderung im neuen System für Dich etwas geringer sein sollte als im alten System: Die zusätzliche Rendite aus dem bereits angesparten Vermögen übersteigt diesen Effekt ab einer gewissen Summe. Denn für das Altersvorsorgedepot rechnen wir bei Finanztip mit einer Rendite von durchschnittlich sechs Prozent im Jahr. Bei alten Riester-Verträgen rechnen wir hingegen mit zwei Prozent Rendite. Dazu kommt, dass wir für die alten Riester-Verträge wesentlich höhere Kosten annehmen, als für das Altersvorsorge-Depot. Das wirkt sich bei einer gewissen Summe darauf aus, welches System für Dich besser ist. Den Effekt von Rendite und Kosten, kannst Du ganz einfach mit unserem Rechner simulieren und so rausfinden, ab wann sich welche Variante für Dich lohnt. 

Ist das Altersvorsorge-Depot zur Baufinanzierung geeignet?

Hast Du vor, in den nächsten Jahren Geld aus Deinem Riester-Vertrag für Deine Immobilie zu entnehmen, also beispielsweise einen Hauskredit zu tilgen oder Geld für den Bau oder Kauf zu entnehmen, dann lass Dein Riester-Guthaben ebenfalls im alten Vertrag und zahle dort nicht mehr ein. Auch energetische Sanierungen und der altersgerechte Umbau können mit dem Riester-Guthaben finanziert werden.

Hintergrund dieser Empfehlung ist, dass Altersvorsorgedepots höchstwahrscheinlich keine Wohnriester-Option beinhalten werden. Denn das neue Gesetz erlaubt Anbietern, diesen komplexen Vertragsteil wegzulassen. Und gerade die Altersvorsorgedepots mit niedrigen Kosten werden aller Wahrscheinlichkeit nach ohne Wohnriester-Option ausgestattet sein.

Welche der neuen Produkte welche Features beinhalten, erfährst Du bei Finanztip, wenn die ersten Altersvorsorgedepots an den Start gegangen sind.

Wer sollte noch 2026 einen alten Riester-Vertrag abschließen?

Hast Du noch keinen Riester-Vertrag und gehörst aber zu den Menschen, für die sich ein alter Riester-Vertrag aufgrund hoher Zulagen lohnen würde, dann kannst Du noch im Jahr 2026 mit dem Riestern beginnen. Denn alle Verträge ab 2027 werden auf dem neuen Fördersystem basieren und sind damit schlechter für Dich.

Wenn Du Dir nicht sicher bist oder sich Deine Situation gerade verändert, bleibe im alten System beziehungsweise schließe noch im Jahr 2026 einen Riester-Vertrag ab. Denn ins neue System wechseln kannst Du später jederzeit. Zurück ins alte kommst Du aber aus dem neuen System nicht mehr.

Welche Riester-Verträge empfiehlt Finanztip?

Für das Riestern im alten System empfiehlt Finanztip einen Riester-Fondssparplan. Ein solcher Vertrag hat im Gegensatz zu Riester-Rentenversicherungen keine Abschlusskosten. Du zahlst in der Ansparphase lediglich für die Depotverwaltung und den Kauf der Fonds-Anteile.

Wann solltest Du spätestens zum Altersvorsorgedepot wechseln?

Auch, wenn Du aktuell noch mit Deinem bestehenden Riester-Vertrag  besser fährst: Irgendwann steht auch für Dich der Wechsel zum Altersvorsorgedepot an. Behalte im Hinterkopf, dass Du spätestens wechseln solltest, wenn Du mehr als 300 Euro Beitrag zahlen müsstest, um die volle Riester-Zulage zu bekommen. Das passiert entweder, wenn Dein Gehalt steigt oder die Deinem Vertrag zugeordneten Kinder nicht mehr kindergeldberechtigt sind.

Für Fortgeschrittene: Ist Dein Guthaben im alten Riester-Vertrag so hoch, dass es im AV-Depot mit besserer Rendite mehr abwirft, als Du im alten System an Förderung bekommst, solltest Du ebenfalls wechseln. 

Wechsel zum Altersvorsorgedepot kurz vor der Rente?

Stehst Du bereits kurz vor dem Ruhestand, kommt noch ein anderer Entscheidungsfaktor hinzu: deine Präferenz für die Auszahlphase Deines Riester-Vertrags. Das neue System beinhaltet mit dem Auszahlplan, der mindestens reichen muss bis Du 85 bist, eine zusätzliche Option. Ist das Deine Präferenz, zum Beispiel, da Du nicht mehr bei bester Gesundheit bist und Dein Guthaben schnellstmöglich ausgezahlt bekommen möchtest, wechsle 2027 zum Altersvorsorgedepot.

Das Altersvorsorgedepot hat einen weiteren Vorteil im Rentenalter: Dein Geld kann auch während der Auszahlphase am Kapitalmarkt investiert bleiben, was bei einem langen Ruhestand von Vorteil ist.

Wenn Du aktuell eine Riester-Rentenversicherung hast und im Ruhestand definitiv eine lebenslange, aber geringere Rentenzahlung erhalten möchtest, kannst Du Deinen jetzigen Riester-Vertrag behalten. Mach Dir aber bewusst: Es kann sein, dass Du dann Dein angespartes Riester-Vermögen nicht vollständig ausgezahlt bekommst. Unter anderem, weil die Anbieter garantieren müssen, dass Du Deine feste monatliche Rente wirklich bis an Dein Lebensende bezahlt bekommst, rechnen Sie damit, dass Du sehr alt wirst. Meist über hundert. Erst in diesem hohen Alter hättest Du dann Dein gesamtes angespartes Riester-Guthaben wieder raus. 

Was sollten Paare berücksichtigen?

Bedenke bei Deiner Entscheidung auch die Situation Deines Partners. Ist dieser nur mittelbar, also über Dich förderberechtigt, solltet ihr die Auswirkungen auf euch beide bei eurer Entscheidung miteinbeziehen. Gleiches gilt für steuerlich gemeinsam veranlagte Partner. Denn als solche könnt ihr nur gemeinsam in einem Fördersystem unterwegs sein – entweder dem neuen oder dem alten.

Wie die neue mittelbare Förderung funktioniert, liest Du in unserem ausführlichen Ratgeber zum Altersvorsorgedepot

Sollten Selbstständige zum Altersvorsorgedepot wechseln?

Hast Du einen stillgelegten Riester-Vertrag, bist aber derzeit selbstständig und daher im alten System nicht förderfähig, eröffne 2027 ein Altersvorsorgedepot. Dort kannst Du auch als Selbstständige oder Selbstständiger die Förderung für Deine Einzahlungen bekommen. Genau wie für alle anderen gilt aber auch für Dich: Sorgfalt kommt vor Eile. Schließe nicht übereilt ein Altersvorsorgedepot ab, nur weil Altersvorsorgedepot draufsteht. Es kommt darauf an, wie die Anbieter die Produkte ausgestalten werden.

Dir geht auch keine Förderung flöten, wenn Du erst Ende 2027 ein Altersvorsorgedepot abschließt. Für die Förderung vom Staat ist es nicht notwendig, monatlich Beiträge einzuzahlen. Eine Einzahlung zum Ende des Jahres in entsprechender Höhe reicht vollkommen aus.

Was kostet der Wechsel ins Altersvorsorge-Depot?

Wenn Du innerhalb der ersten fünf Jahre nach Vertragsabschluss eines Riester-Vertrags oder eines AV-Depots wechselst, darf Dein alter Anbieter höchstens 150 Euro verlangen; nach Ablauf dieser Frist soll der Wechsel kostenfrei sein. Wechselst Du von Riester zu Altersvorsorge-Depot bei Deinem alten Anbieter, sollen ebenfalls keine Kosten anfallen. Stand jetzt ist vorgesehen, dass das übertragene, bereits geförderte Kapital bei den Abschluss- und Vertriebskosten des neuen Vertrags nicht berücksichtigt werden darf, der neue Anbieter dafür aber eine einmalige Verwaltungspauschale von höchstens 150 Euro verlangen kann. Für einen alten Riester-Vertrag bedeutet das: Je nach Vertragsalter und Ausgestaltung kann der Wechsel kostenfrei sein, andernfalls können bis zu 150 Euro beim abgebenden und zusätzlich bis zu 150 Euro beim aufnehmenden Anbieter anfallen. Die Abschluss- und Vertriebskosten müssen über die Vertragslaufzeit verteilt werden.