Freiwillig gesetzlich krankenversichert Wer in der gesetzlichen Krankenkasse bleiben kann
Finanztip-Expertin für Versicherungen
Das Wichtigste in Kürze
So gehst Du vor
Warst Du vorher pflicht- oder familienversichert, brauchst Du nichts zu tun, um in der gesetzlichen Kasse zu bleiben. Du bist dann automatisch freiwillig versichert.
Willst Du stattdessen in die private Krankenversicherung wechseln, musst Du innerhalb von zwei Wochen Deinen Austritt aus der gesetzlichen Versicherung erklären.
Selbstständige können zwischen einem allgemeinen und einem ermäßigten Beitragssatz wählen, je nachdem, ob sie Anspruch auf Krankengeld haben möchten oder nicht.
Falls Du selbstständig bist oder eine gutverdienende Arbeitnehmerin, musst Du nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung sein – Du darfst es aber. Für viele ist der freiwillige Verbleib in einer gesetzlichen Krankenkasse die beste Option, denn nicht jeder kann sich die private Krankenversicherung auf Dauer leisten.
Zunächst einmal gilt: Niemand muss die gesetzliche Krankenversicherung verlassen, der nicht möchte. Es gibt keinen Zwang, sich privat zu versichern, wenn die Versicherungspflicht endet. Folgende Personengruppen können sich freiwillig gesetzlich versichern, sofern sie bereits zuvor bei einer gesetzlichen Krankenkasse waren (§ 9 SGB V):
Sobald eine Versicherungspflicht endet und sich keine neue gleich anschließt, wirst Du automatisch freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Es greift die sogenannte obligatorische Anschlussversicherung (§ 188 Abs. 4 SGB V). In welchen Fällen Du pflichtversichert bist, also gar keine Wahl hast, ob Du Dich gesetzlich oder privat versichern willst, erklären wir in unserem Ratgeber zur Krankenversicherungspflicht.
Die freiwillige Mitgliedschaft beginnt mit dem Ende der Versicherungspflicht oder der Familienversicherung. Du musst dafür nichts tun und in der Regel auch nicht nachweisen, wie lange Du bereits in der GKV bist.
Bist Du angestellt, erlischt die Versicherungspflicht beispielsweise zum Jahreswechsel, sofern Dein Gehalt die Jahresarbeitsentgeltgrenze sowohl im laufenden Jahr überschreitet als auch die neue Grenze im kommenden Jahr.
Anders sieht es für Dich als Arbeitnehmer aus, wenn Du Deinen Arbeitgeber wechselst und dadurch über die Jahresarbeitsentgeltgrenze springst. In diesem Fall endet die Versicherungspflicht mit dem ersten Tag der neuen Beschäftigung.
In beiden Fällen bleibst Du nach Überspringen der Jahresarbeitsentgeltgrenze automatisch erstmal bei Deiner Krankenkasse versichert. Willst Du Dich nicht freiwillig versichern, musst Du in solchen Fällen innerhalb von zwei Wochen Deinen Austritt erklären und eine private Krankenversicherung nachweisen. Dein Versicherungsschutz muss dabei lückenlos bestehen bleiben.
Die freiwillige Mitgliedschaft in der Krankenversicherung endet
Für freiwillig Krankenversicherte gelten dieselben Kündigungsfristen wie für Pflichtversicherte.
Willst Du innerhalb der gesetzlichen Versicherung die Krankenkasse wechseln, geht das seit Januar 2021 in den meisten Fällen nach zwölf Monaten Mitgliedschaft.
Bei Service, Zusatzleistungen und Beitrag gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Krankenkassen.
Von uns empfohlene Anbieter sind: HKK, TK, Audi BKK, HEK, Energie-BKK und Big direkt gesund.
Ausführliche Informationen findest Du in unserem passenden Ratgeber.
Wie viel Du für die freiwillige Krankenversicherung zahlst, hängt davon ab, ob Du angestellt oder selbstständig tätig bist. Grundsätzlich liegt der Beitrag bei 14,6 Prozent zuzüglich Zusatzbeitrag der jeweiligen Krankenkasse. Obendrauf kommt noch der Beitrag zur gesetzlichen Pflegeversicherung. Die Beiträge zahlst Du jedoch nur bis zu einem bestimmten Einkommen (Beitragsbemessungsgrenze). Diese Grenze liegt in diesem Jahr bei 5.175 Euro im Monat. Verdienst Du mehr, zahlst Du auf das zusätzliche Einkommen keine Sozialversicherungsbeiträge.
Für freiwillig versicherte Arbeitnehmer liegt der Höchstbeitrag für die Krankenversicherung im Schnitt bei rund 844 Euro pro Monat (wenn Du bei einer Kasse mit 1,7 Prozent Zusatzbeitrag versichert bist). Die Hälfte der Krankenkassenbeiträge von Angestellten übernimmt der Arbeitgeber.
Im Unterschied zu Arbeitnehmern bildet bei Selbstständigen, Freiberuflern und anderen Menschen, die nicht sozialversicherungspflichtig angestellt sind, nicht nur das Arbeitseinkommen die Grundlage für die Beitragsberechnung. Es zählen darüber hinaus auch andere Einkünfte, etwa Einnahmen aus Kapitalvermögen oder aus Vermietung und Verpachtung – maximal bis zur Beitragsbemessungsgrenze.
Darauf wird entweder der allgemeine Beitragssatz in Höhe von 14,6 Prozent fällig oder ein verminderter Beitragssatz in Höhe von 14 Prozent. Hinzu kommt der Zusatzbeitrag der jeweiligen Krankenkasse. Wählst Du den verminderten Satz von 14 Prozent, verzichtest Du darauf, Krankengeld zu erhalten, falls Du länger krank bist. Das ist in der Regel nicht ratsam. Mehr dazu liest Du in unserem Ratgeber zum Krankengeld für Selbstständige.
Der Höchstbeitrag beläuft sich für Selbstständige und alle anderen, die freiwillig krankenversichert sind, ebenfalls auf rund 844 Euro pro Monat samt durchschnittlichem Zusatzbeitrag. Ihren Beitrag müssen Selbstständige allein stemmen. Wählen sie eine günstige Krankenkasse, die einen geringen Zusatzbeitrag verlangt, können sie etwas sparen.
Grundsätzlich gilt in der gesetzlichen Krankenversicherung: Wer wenig Einkommen hat, zahlt auch weniger. Dabei gibt es allerdings eine Untergrenze. Ist Dein tatsächliches Einkommen niedriger als dieser Grenzwert, wird ein fiktives Mindesteinkommen angesetzt, um Deinen Krankenkassenbeitrag zu berechnen.
Das Mindesteinkommen ist meist bei denjenigen maßgeblich, die wenig oder gar nichts verdienen. Das ist beispielsweise bei Studierenden der Fall, die die Voraussetzungen für eine studentische Krankenversicherung nicht mehr erfüllen.
In diesem Jahr beträgt die Mindestbemessungsgrundlage für freiwillig Versicherte rund 1.178 Euro. Ist Dein tatsächliches Einkommen geringer, stuft Dich die Krankenkasse so ein, als würdest Du knapp 1.178 Euro pro Monat verdienen. Das ergibt bei einem Beitragssatz von 14,6 Prozent mit Krankengeldanspruch einen Monatsbeitrag von rund 172 Euro. Hinzu kommt aber noch der Zusatzbeitrag der jeweiligen Kasse und der Beitrag für die Pflegeversicherung.
Für Selbstständige gilt seit 2019 derselbe Mindestbeitrag wie für die übrigen freiwillig Versicherten. Davor mussten Selbstständige mit geringem Einkommen deutlich höhere Beiträge zahlen.
Falls Dein Ehepartner oder eingetragener Lebenspartner privat versichert ist, kann Deine Krankenkasse auch das Einkommen des Partners für die Berechnung Deiner Krankenversicherungsbeiträge heranziehen. Das tut die Kasse, wenn Deine monatlichen Einnahmen die Hälfte der Beitragsbemessungsgrenze unterschreiten. In diesem Jahr ist das bei rund 2.588 Euro Euro brutto der Fall. Die Kasse ermittelt dann das Familieneinkommen: Sie zieht vom Einkommen des Partners oder der Partnerin gegebenenfalls Freibeträge für gemeinsame Kinder ab und rechnet es dann mit Deinem Einkommen zusammen. Beiträge zahlst Du auf die Hälfte des so ermittelten Familieneinkommens, höchstens jedoch auf rund 2.588 Euro.
Wie viel Du als freiwillig Versicherter für Deine Krankenversicherung zahlen musst, orientiert sich an der Höhe Deiner Einnahmen. Da Selbstständige in der Regel kein fixes Gehalt beziehen, muss die Krankenkasse das zu erwartende Einkommen schätzen. Seit Januar 2018 gilt durch die Reform des Heil- und Hilfsmittelgesetzes eine neue Art der Beitragsberechnung für freiwillig versicherte Selbstständige.
Seitdem setzt die Krankenkasse die Höhe des Beitrags auf Grundlage des jüngsten Einkommensteuerbescheids für ein Jahr vorläufig fest. Sobald der Steuerbescheid für das entsprechende Jahr dann vorliegt, wird der Beitrag nachträglich korrigiert. Hast Du mehr verdient als angenommen, musst Du Beiträge nachzahlen. Hast Du weniger verdient, bekommst Du von der Kasse Geld zurück. Bis 2017 wurde kein Beitrag nachgefordert, zu viel gezahlte Beiträge aber auch nicht erstattet. Du hast drei Jahre Zeit, den Einkommensteuerbescheid einzureichen. Versäumst Du das, wird die Krankenkasse rückwirkend den Höchstbeitrag von Dir verlangen (§ 240 Abs. 4a. SGB V). Du kannst auch freiwillig den Höchstbeitrag zahlen, wenn Du lieber etwas erstattet bekommen möchtest, als deftig nachzuzahlen.
Bricht Dein Arbeitseinkommen um mehr als 25 Prozent im Laufe des Jahres ein, kannst Du bei Deiner Krankenkasse während des laufenden Jahres beantragen, dass sie Deinen Beitrag neu berechnet. Nachweisen kannst Du das niedrigere Einkommen mit einem Vorauszahlungsbescheid oder einem Nachweis der Finanzverwaltung (§ 6 Abs. 3a BVSzGs).
Nur zu Beginn einer selbstständigen Tätigkeit stützt sich die Krankenkasse bei der Beitragsberechnung auf Dein geschätztes Einkommen. Sobald Du Deinen ersten Einkommensteuerbescheid nach der Existenzgründung bekommen hast, korrigiert die Kasse darauf basierend rückwirkend den Beitrag.
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Wenn Du in der zweiten Hälfte Deines Erwerbslebens zu 90 Prozent gesetzlich krankenversichert warst, darfst Du in die Krankenversicherung der Rentner. Das spart erheblich Beiträge.
Wenn Du die Kriterien für die Aufnahme in die Krankenversicherung der Rentner (KVdR) nicht erfüllst, hast Du dennoch die Möglichkeit, Dich freiwillig gesetzlich zu versichern. Vorausgesetzt, Du warst ausreichend lange bei einer gesetzlichen Kasse versichert. Entscheidend ist, dass Du zwölf Monate unmittelbar vor Rentenbeginn gesetzlich versichert warst oder 24 Monate ohne Unterbrechung in den fünf Jahren vor Antragstellung.
Seit 1. August 2017 gelten neue Regelungen zur Vorversicherungszeit, die vielen Rentnern den Wechsel in die günstigere Krankenversicherung der Rentner ermöglichen. So werden für jedes Kind des Versicherten pauschal drei Jahre angerechnet. Mehr dazu erfährst Du im Ratgeber Krankenversicherung der Rentner.
Anders als pflichtversicherte Rentner musst Du als freiwillig Versicherter auf alle Einnahmen Krankenversicherungsbeiträge entrichten. Dabei wird zwischen verschiedenen Einkunftsarten unterschieden:
Für Einkünfte aus der gesetzlichen Rente übernimmt der Rentenversicherungsträger den Arbeitgeberanteil und Du als Rentner den Arbeitnehmeranteil von jeweils 7,3 Prozent. Auch der Zusatzbeitrag wird seit 2019 hälftig zwischen Rentenversicherung und Rentner geteilt.
Für Versorgungsbezüge aus Betriebsrenten, Versorgungswerken und Pensionskassen zahlst Du als Rentner den Beitragssatz von 14,6 Prozent allein. Das Gleiche gilt für Einkommen aus einer selbstständigen Nebentätigkeit. Allerdings gibt es für Versorgungsbezüge einen Freibetrag in Höhe von 176,75 Euro in diesem Jahr. Solange Deine monatlichen Versorgungsbezüge unter diesem Betrag liegen, zahlst Du keine Beiträge zur Krankenkasse und Pflegeversicherung. Wer mehr bekommt, muss auf die vollen Bezüge Pflegeversicherung zahlen, die Abgaben zur Krankenversicherung beschränken sich aber auf die Differenz zum Freibetrag.
Freiwillig versicherte Rentner müssen außerdem den ermäßigten Beitragssatz von 14 Prozent abführen auf Einnahmen aus Miete, Pacht und Kapitalvermögen sowie auf private Lebens- und Rentenversicherungen.
in der KVdR pflichtversichert | freiwillig gesetzlich versichert | |||
---|---|---|---|---|
beitrags- pflichtig | Beitragssatz1 | beitrags- pflichtig | Beitragssatz1 | |
gesetzliche Rente | ja | 7,3 % | ja | 7,3 % |
Versorgungsbezüge | ja | 14,6 % | ja | 14,6 % |
Arbeitseinkommen | ja | 14,6 % | ja | 14 % oder 14,6 %² |
Mieteinnahmen | nein | - | ja | 14 % |
Zinsen, Dividenden u.ä. | nein | - | ja | 14 % |
private Renten | nein | - | ja | 14 % |
1 Zusätzlich zum Beitragssatz muss der Zusatzbeitrag der jeweiligen Krankenkasse bezahlt werden.
2 abhängig von Art und Umfang der Tätigkeit
Quelle: GKV-Beitragssätze für 2024 (Stand: Januar 2024)
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