Das Wichtigste in Kürze
- Der Bundestag hat eine Reform der privaten Altersvorsorge beschlossen. Herzstück ist dabei die Einführung eines Altersvorsorgedepots.
- Der Staat will so ab 2027 die Vorsorge für den Ruhestand mit einem ETF-Sparplan fördern.
- Im Ruhestand bekommst Du regelmäßig Geld ausgezahlt.
So gehst Du vor
- Nutze unseren Rechner zum Altersvorsorgedepot, um herauszufinden, wie viel Geld Du damit im Ruhestand zur Verfügung haben wirst.
- Hast Du bereits einen Riester-Vertrag, kündige Deinen aktuellen Vertrag nicht. Prüfe stattdessen, ob es sich für Dich lohnt, den Vertrag bis zum Wechsel zum Altersvorsorgedepot stillzulegen.
- Stehst Du kurz vor der Rente, warte mit dem Wechsel in die Riester-Auszahlphase bis nach der Reform.
Inhalt
- Was ist das Altersvorsorgedepot?
- Wie hoch ist die Förderung für das Altersvorsorgedepot?
- Was ist das Standarddepot?
- Was sind die Vor- und Nachteile des Altersvorsorgedepots?
- Wie viel kannst Du in das Altersvorsorgedepot einzahlen?
- Wie läuft die Auszahlphase beim Altersvorsorgedepot ab?
- Wie versteuerst Du die Auszahlung aus dem Altersvorsorgedepot?
- Was musst Du beim Wechsel aus einem Riester-Vertrag beachten?
Nach über 20 Jahren wird die private Altersvorsorge in Deutschland grundlegend überarbeitet. Das Herzstück der Reform ist ein Altersvorsorgedepot. Es ist eine Weiterentwicklung des staatlich geförderten Konzepts Riester mit besseren Renditemöglichkeiten und einer einfacheren Förderung.
Noch gibt es das Altersvorsorgedepot nicht. Doch wir erklären Dir in diesem Ratgeber bereits, wie es genau funktioniert, wie hoch die Förderung sein soll und für wen sich ein Wechsel nicht lohnt.
Was ist das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot soll die Riester-Rente weiterentwickeln und vereinfachen. Das Konzept stammt ursprünglich von der Ampel-Regierung. Es wurde nach dem Scheitern der Koalition im November 2024 nicht mehr umgesetzt. Nun hat es die Große Koalition wieder aufgegriffen und Ende März 2026 im Bundestag beschlossen. Das Gesetz muss noch durch den Bundesrat.
Grundsätzlich unterteilt sich das Sparen für die private Altersvorsorge in zwei Teile: Anspar- und Auszahlphase. Auch Einzahl- und Auszahlphase genannt. Zuerst investierst Du – meist während Deines Arbeitslebens – einen bestimmten Betrag und erwirtschaftest mit der Anlage eine Rendite. In der zweiten Phase bekommst Du dann Geld ausgezahlt, meist monatlich in Deinem Ruhestand.
Mit einem Altersvorsorgedepot sollst Du die Möglichkeit bekommen, privat Geld für den Ruhestand anzusparen. Zusätzlich ist eine Förderung vom Staat geplant. Für viele Verbraucher würde sie im Vergleich zum vorherigen Riester-Konzept eine Verbesserung dar.
Wie ist das Altersvorsorgedepot aufgebaut?
Die Basis für das Altersvorsorgedepot sollen staatlich zertifizierte Vorsorgeverträge sein, die Du als Sparplan in einem Depot bei einer Vielzahl von Anbietern eröffnen kannst. Im Altersvorsorgedepot wirst Du voraussichtlich in verschiedene Fonds, Anleihen und ähnliches investieren können.
Finanztip empfiehlt, in Deinem Altersvorsorgedepot einen Sparplan – zum Beispiel monatlich oder jährlich – auf einen weltweiten Aktien-ETF einzurichten. ETF steht für Exchange Traded Fund und ist eine kostengünstige Möglichkeit, breit gestreut in Aktien von vielen Unternehmen gleichzeitig zu investieren. Klassische Beispiele für ETFs, auch passive Fonds genannt, sind der MSCI All Countries World Index oder der FTSE All-World.
Für Einsteiger: Wie ein Depot grundsätzlich funktioniert, liest Du in unserem Ratgeber zum Wertpapierdepot. Wenn Du mehr über Fonds erfahren willst und wissen möchtest, warum wir weltweite Aktien-ETFs als langfristige Anlage für die Altersvorsorge empfehlen, lies in unserem Ratgeber zum Thema ETF weiter.
Wann kommt das Altersvorsorgedepot?
Vorgesehen ist, dass Finanz-Unternehmen ab dem 1. Januar 2027 Altersvorsorgedepots anbieten können. Es ist Teil der Reform der privaten Altersvorsorge. Das Gesetz wurde Ende März im Bundestag beschlossen, der Bundesrat muss noch zustimmen.
Wer darf Altersvorsorgedepots anbieten?
Altersvorsorgedepot sollen unterschiedliche Unternehmen anbieten können: Banken, Lebensversicherer, Fondsgesellschaften, Depotanbieter und Neobroker. Auch der Staat soll ein öffentlich organisiertes Altersvorsorgedepot anbieten. Wann und wie das umgesetzt wird, ist noch nicht bekannt.
Da es eine neue Produktart mit einigen Vorgaben sein wird, müssen die Anbieter die Depots zunächst auf Basis des Gesetzes entwickeln oder ihre bestehenden Depot-Regularien anpassen. Um eine schnelle Umsetzung zu ermöglichen, soll der behördliche Zertifizierungsprozess erst im Nachgang stichprobenartig durchgeführt werden.
Welche Wertpapiere dürfen ins Altersvorsorgedepot?
Im Altersvorsorgedepot sollen in Deutschland für Kleinanleger handelbare Fonds der Risikokategorie eins bis fünf von sieben erlaubt sein. Grundlage dafür ist der Synthetic Risk Reward Indicator (SRRI). Je höher die Zahl, desto höher die Volatilität, also desto mehr schwankt der Kurs Deines Fonds. Welchen Risikoindikator ein bestimmter Fonds hat, steht im Produktinformationsblatt, auch Fact Sheet genannt.
Darüber hinaus sollst Du in Anleihen investieren können, die von EU-Staaten sowie von deutschen Ländern oder Gemeinden ausgegeben werden.
Aktien einzelner Unternehmen sollen im Altersvorsorgedepot nicht erlaubt sein. In Zertifikate und Kryptowährungen sowie andere komplexe oder spekulative Wertpapiere sollst Du in Deinem Altersvorsorgedepot ebenfalls nicht investieren können.
Wer kann ein Altersvorsorgedepot eröffnen?
Ein Altersvorsorgedepot soll grundsätzlich jeder für sich eröffnen können, der noch nicht vollständig in Altersrente ist. Allerdings soll nicht jeder die staatliche Förderung bekommen.
Folgende Voraussetzungen wirst Du voraussichtlich erfüllen müssen, um grundsätzlich mit Deinem Altersvorsorgedepot förderberechtigt zu sein. Du bist entweder:
- Arbeitnehmer
- selbstständig und in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert
- selbstständig, jünger als 67 Jahre und gibst jährlich eine Steuererklärung ab
- Mitglied eines berufsständischen Versorgungswerks
- Auszubildende
- Beamter
- Richterin
- Soldat
- Landwirtin
- Mini- oder Midi-Jobber und zahlst in die gesetzliche Rentenversicherung ein
- Student mit Nebenjob und zahlst in die gesetzliche Rentenversicherung ein
- Bundesfreiwillige oder freiwillig Wehrdienstleistender
- Mitglied in der Künstlersozialkasse
- arbeitslos und erhältst Arbeitslosengeld I, hast aber zuvor in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt
- Bürgergeld-Empfänger, hast aber zuvor in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt
- Frührentner, bekommst also zum Beispiel Erwerbsminderungsrente oder Dienstunfähigkeitsrente
- Pflegeperson eines Angehörigen mit Pflegegrad 2 für mindestens zehn Stunden pro Woche
Bist Du in Elternzeit oder bekommst aktuell Krankengeld oder Übergangsgeld, sollst Du ebenfalls gefördert werden.
Wann bist du nicht förderberechtigt?
Keine Zulagen oder Steuererstattungen für das Altersvorsorgedepot sollen erhalten:
- Minijobber, die sich von der Rentenversicherung haben befreien lassen
- Hausmänner und Hausfrauen
Welche weiteren Regelungen gibt es?
Wie funktioniert die Förderung über den Partner?
Du bist mit einem Menschen verheiratet oder in eingetragener Lebenspartnerschaft, der förderberechtigt ist? Dann sollst Du auch gefördert werden können, wenn Du eigentlich nicht zum förderberechtigten Personenkreis für das Altersvorsorgedepot gehörst.
In diesem Fall bist du mittelbar förderfähig. Die Besonderheiten und ein Beispiel dazu findest Du im nächsten Kapitel.
Wirst Du gefördert, wenn Du im Ausland lebst?
Laut dem Gesetzesentwurf sollen zukünftig auch die Altersvorsorge von Menschen gefördert werden, die nicht in Deutschland leben. Voraussetzung ist, dass Du Pflichtmitglied im gesetzlichen Rentensystem des jeweiligen Landes bist und in Deutschland – unbeschränkt oder fiktiv unbeschränkt – steuerpflichtig bist. Die deutsche Staatsbürgerschaft ist aber nicht notwendig.
Hintergrund ist eine EU-Richtlinie, die die Gleichbehandlung von Menschen in der EU beziehungsweise des europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) stärkt. Die bisherige – äußerst eingeschränkte – Auslandsregelung der geförderten Altersvorsorge in Deutschland verstößt gegen das Gebot der europäischen Arbeitnehmerfreizügigkeit (vgl. Artikel 45 AEUV und Artikel 28 des EWR-Abkommens).
Gelten soll die Regelung ab 2028 für alle EU-Staaten sowie Länder, deren Rentensystem dem des EWR ähnlich sind. Und zwar sowohl für alle neuen Verträge, beispielsweise das Altersvorsorgedepot, als auch für alle bereits bestehenden Riester-Verträge.
Wie kannst Du das Altersvorsorgedepot für eine Immobilie nutzen?
Wie früher bei Riester-Verträgen sollst Du das Guthaben Deines Altersvorsorgedepots grundsätzlich auch für Deine eigene Immobilie verwenden können. Eine solche Entnahme soll nicht als förderschädliche Verwendung gelten. Das heißt, Du müsstest keine Steuerersparnisse und/oder Zulagen zurückzahlen.
Allerdings wird diese Option nicht mehr in jedem Vertrag automatisch eingeschlossen sein. Die Anbieter können zukünftig entscheiden, ob sie diese Möglichkeit in ihr Produkt aufnehmen wollen oder nicht.
Als Entnahme für eine Immobilie gelten übrigens nicht nur Kaufen oder Bauen, sondern Du kannst das Geld aus Deinem Altersvorsorgedepot auch für energetische Sanierungen oder einen altersgerechten Umbau verwenden.
Mit der Reform der privaten Altersvorsorge werden sich die Bedingungen für Entnahmen voraussichtlich deutlich verbessern. Unter anderem würdest Du flexibler bei der Entnahmehöhe und Du musst nachgelagert weniger Steuern zahlen. Das soll auch für bereits bestehende Riester-Verträge gelten.
Welche Möglichkeiten es aktuell bei der Verwendung Deines Riester-Guthabens für Dein Eigenheim gibt und wie die neuen Regelungen konkret lauten sollen, liest Du in unserem Ratgeber zum Thema Wohnriester.
Lohnt sich ein Altersvorsorgedepot als Versicherung?
Ein Versicherungsmantel für eine Anlage am Kapitalmarkt ist im Vergleich sehr teuer und war in der Vergangenheit selten eine gute Wahl. Neben Banken, Fondsgesellschaften und Neobrokern sollen auch Versicherer Altersvorsorgedepots anbieten können. Aber Achtung: Das werden keine echten Depots sein. Die Versicherer verpacken die Fonds in einer fondsgebundenen Rentenversicherung.
Wie bei allen anderen Lebens- oder Rentenversicherungen müsstest Du bei solchen Produkten Provisionen in Form von Abschlusskosten zahlen. Dazu kommen noch jährliche Verwaltungskosten, die bei einem solchen Versicherungsvertrag höchstwahrscheinlich deutlich teurer sein werden als bei einem Depot.
Im Kern wird allerdings nichts anderes stecken als bei einem echten Altersvorsorgedepot. Und Garantien gibt es weder bei den Versicherungsverträgen noch den anderen Produkten für das Altersvorsorgedepot. Ein Aspekt, der Rentenversicherungen und Depots in anderen Bereichen unterscheidet, ist die Besteuerung. Doch die soll beim Altersvorsorgedepot identisch sein.
Kannst Du das Altersvorsorgedepot wechseln?
Mit Deinem Altersvorsorgedepot sollst Du innerhalb der Ansparphase beliebig oft zu einem anderen Anbieter wechseln können. Innerhalb der ersten fünf Jahre des Vertrags soll das Geld kosten. Maximal dürfen die abgebenden Unternehmen nach den aktuellen Plänen dafür 150 Euro verlangen.
Läuft Dein Vertrag bereits fünf Jahre oder länger, soll der Wechsel kostenfrei sein. Ebenfalls nichts bezahlen müsstest Du, wenn Du beim gleichen Anbieter bleibst und lediglich in ein anderes Produkt wechselst.
Der aufnehmende Anbieter soll ebenfalls Gebühren in Höhe von bis zu 150 Euro erheben dürfen.
Beim Wechsel eines klassischen Depots hingegen dürfen Anbieter für den Depotübertrag keine Gebühren verlangen. Das hat der Bundesgerichtshof 2004 entschieden (Az. XI ZR 200/03).
Wie hoch ist die Förderung für das Altersvorsorgedepot?
Je nachdem, wie viel Du einzahlst und wie viel Zulage Du vom Staat bekommst, soll unterschiedlich viel Geld in Dein Altersvorsorgedepot fließen.
Das Grundprinzip der Förderung: Du zahlst Geld in ein spezielles Altersvorsorge-Produkt ein, beispielsweise mit einem ETF-Sparplan in Dein Altersvorsorgedepot. Der Staat unterstützt Dich dabei. Das kann auf drei verschiedene Arten geschehen:
- mit Zulagen, die direkt in Dein Depot fließen,
- mit einer Steuerersparnis, die Du über Deine Steuererklärung geltend machen kannst,
- oder in manchen Fällen auch aus einer Kombination aus beiden Förderungen.
Wie hoch soll die Grundzulage für das Altersvorsorgedepot sein?
Die Zulagen werden pro Jahr gezahlt. Sie sollen abhängig davon sein, wie viel Geld Du in Dein Depot in dem jeweiligen Jahr einzahlst. Für die Grundzulage soll gelten:
- Zahlst Du bis zu 360 Euro ein, erhältst Du für jeden eingezahlten Euro 50 Cent vom Staat. Das entspricht maximal 180 Euro pro Jahr.
- Für jeden weiteren Euro – bis maximal 1.800 Euro – erhältst Du 25 Cent. Das sind nochmal 360 Euro Bonus jährlich.
- Die maximale Grundzulage pro Jahr beträgt daher 540 Euro.
Laut dem Gesetzentwurf liegt die Höchstgrenze für Deine förderfähigen jährlichen Einzahlungen bei 1.800 Euro. Der Mindestbeitrag läge bei 120 Euro pro Jahr, also zehn Euro pro Monat.
Junge Menschen, die vor dem 25. Geburtstag mit dem Altersvorsorgedepot starten, sollen als zusätzlichen Anreiz einmalig 200 Euro in ihr Depot erhalten.
Wie hoch ist die Kinderzulage im Altersvorsorgedepot?
Eltern sollen zusätzlich zu der Grundzulage eine Kinderzulage bekommen. Für jedes kindergeldberechtigte Kind, das Deinem Vertrag zugeordnet ist, sollst Du pro eingezahltem Euro einen Euro vom Staat dazu erhalten. Das Maximum pro Jahr beträgt hier 300 Euro pro Kind. Zahlst Du also 25 Euro im Monat in Dein Altersvorsorgedepot ein, würdest Du die Kinderzulage in voller Höhe bekommen.
Beispiel: Amie hat in einem Jahr 360 Euro in ihr Altersvorsorgedepot eingezahlt. Also 30 Euro pro Monat. Dafür erhält sie 180 Euro Grundzulage. Da sie ein Kind hat, bekommt sie noch einmal 300 Euro Kinderzulage dazu. Das ergibt insgesamt 480 Euro Zulage. In ihren Vertrag fließen also 840 Euro.
Wie sich unterschiedliche Einzahlungsbeträge und Förderungen in Deinem Altersvorsorgedepot bemerkbar machen, zeigen wir Dir anhand der folgenden Beispiele.
Auch Amies Brüder, Albert und Johannes, eröffnen ein Altersvorsorgedepot und zahlen jedes Jahr Beiträge ein. Albert als alleinerziehender Vater von zwei Kindern zahlt den Mindestbeitrag in Höhe von 120 Euro pro Jahr ein. Johannes als Berufstätiger ohne Kinder den förderfähigen Maximalbetrag von 1.800 Euro.
Die Tabelle zeigt, bei wem wie viel Geld im Depot landet. Daraus ergeben sich unterschiedliche Förderquoten. Das ist das Verhältnis der jährlichen Förderung vom Staat zu Deinen eigenen Einzahlungen.
Zulagen und Förderquoten nach Einzahlungshöhe
| Albert | Amie | Johannes | |
| Einzahlungen p.a. | 120 € | 360 € | 1.800 € |
| Grundzulage | 60 € | 180 € | 540 € |
| Kinderzulage 1 | 120 € | 300 € | - |
| Kinderzulage 2 | 120 € | - | - |
| Zulagen gesamt | 300 € | 480 € | 540 € |
| Summe im Depot | 420 € | 840 € | 2.340 € |
| Förderquote | 250 % | 134 % | 30 % |
Quelle: Finanztip-Berechnungen
Da Johannes am meisten einzahlt, kann in seinem Depot das meiste Geld eine Rendite erwirtschaften und sich bis zum Ruhestand entwickeln. Doch auch, wenn Du wie Albert oder Amie nicht so viel sparen kannst, würde die hohe Zulagenförderung dafür sorgen, dass deutlich mehr Geld in Dein Depot fließt als beim Anlegen ohne Förderung.
Wie berechnest Du die steuerliche Förderung?
Dein Altersvorsorgedepot soll vom Staat unter Umständen auch steuerlich gefördert werden. In Deiner Steuererklärung sollst Du nach den Plänen angeben, wie viel Geld im vergangenen Jahr in Dein Altersvorsorgedepot geflossen ist. Dazu addierst Du Deine Einzahlungen und die erhaltenen Zulagen.
Im obigen Beispiel bekäme Johannes bei 1.800 Euro Einzahlung 540 Euro Zulage. Er könnte also 2.340 Euro bei der Steuer angeben.
Angenommen, Johannes hat einen Grenzsteuersatz von 33,3 Prozent, dann beträgt seine theoretische Steuererstattung rund 770 Euro. Nun folgt im nächsten Schritt die Günstigerprüfung.
Wie funktioniert die Günstigerprüfung bei Altersvorsorgedepot und Riester?
Wie auch bei der bisherigen Riester-Förderung soll es im neuen Fördersystem eine Günstigerprüfung geben. Dabei vergleichen Finanzamt und Zulagenstelle Deine Zulagenhöhe und Deine berechnete Steuerersparnis miteinander.
Fall A: Deine Zulagen sind höher als Deine Steuerersparnis.
In diesem Fall bekommst Du die Zulagen in den Vertrag gezahlt. Das geschieht in der ersten Hälfte des Folgejahres. Darüber hinaus erhältst Du kein Geld über die Steuer zurück, denn die Zulagen sind für Dich der bessere – sprich günstigere – Förderweg.
Fall B: Deine Zulagen sind niedriger als Deine Steuerersparnis.
Auch in diesem Fall bekommst Du die Zulagen in den Vertrag gezahlt. Darüber hinaus erhältst Du noch die Differenz zwischen Deiner Zulagenhöhe und der berechneten Steuerersparnis. Allerdings wird diese nicht in Dein Altersvorsorgedepot gezahlt, sondern mit Deinen Steuern verrechnet. Sie verringert also entweder die Summe, die Du an Steuern zahlen musst, oder sie erhöht Deine Steuerrückerstattung.
Schauen wir uns zum besseren Verständnis noch einmal unser Beispiel an. Johannes bekäme 540 Euro Zulage, das ist weniger als seine errechnete Steuerersparnis in Höhe von 770 Euro. Dementsprechend würde er zusätzlich die Differenz der beiden Werte erhalten, also 230 Euro. So wird sichergestellt, dass er die insgesamt höchstmögliche Förderung bekommt, die ihm zusteht – nämlich 770 Euro.
Fall C: Sollten beide Werte exakt gleich sein, erhältst Du nur die Zulage.
Wie im bisherigen Riester-System soll es darüber hinaus die Möglichkeit geben, auf die Zulagen komplett zu verzichten und die gesamte Förderung über die Steuerersparnis zu erhalten. Das wird allerdings nur in den seltensten Fällen Sinn ergeben.
Wie hoch sind die Zulagen für mittelbar geförderte Partner?
Bist Du über Deinen Partner förderberechtigt, sind Deine Zulagen abhängig von dessen Einzahlungen. Deine Grundzulage ist auf maximal 175 Euro begrenzt. Kinderzulagen kannst Du in voller Höhe erhalten, maximal also 300 Euro.
Beispiel: David ist als Hausmann mit seinem Altersvorsorgedepot nicht förderfähig. Seine Frau Victoria ist angestellt und zahlt daher Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenkasse ein. Dadurch kann auch David Förderung vom Staat bekommen.
Er zahlt nur den Mindestbeitrag in Höhe von 120 Euro pro Jahr ein. Seine Zulagen berechnen sich aber anhand von Victorias Einzahlungen. Das ist gut für ihn. Denn aufgrund ihrer Einzahlung in Höhe von 1.200 Euro pro Jahr bekommt er 175 Euro Grundzulage.
Die Zulagen für ihre beiden Kinder haben die beiden Davids Altersvorsorgedepot zugeordnet. Bei ihrem Wert von 1.200 Euro p.a. sind das 300 Euro – der Maximalbetrag für Kinder.
| David | Victoria | |
|---|---|---|
| Einzahlungen p.a. | 1.200 Euro | 120 Euro |
| Grundzulage p.a. | 390 Euro | 175 Euro |
| Kinderzulage 1 p.a. | 300 Euro | |
| Kinderzulage 2 p.a. | 300 Euro | |
| Zulage gesamt | 390 Euro | 775 Euro |
| Geld, das p.a. ins Depot fließt | 1.690 Euro | 895 Euro |
| Förderquote | 33 Prozent | 646 Prozent |
Quelle: Finanztip-Berechnungen
Die Tabelle zeigt, dass David durch die mittelbare Förderung rund sechseinhalb Mal so viel Zulage bekommt wie er Geld in sein Depot einzahlt.
Was ist das Standarddepot?
Das Standarddepot ist eine Basisvariante des Altersvorsorgedepots. Jedes Unternehmen, das ein Altersvorsorgedepot anbietet, soll verpflichtet sein, zusätzlich ein solches Standarddepot anzubieten. Oder alternativ auf das Standarddepot einer Partnerfirma zu verweisen.
Gedacht ist das Standarddepot für Einsteiger oder Aktien-Neulinge, die sich noch nicht selbst zutrauen, Anlageentscheidungen zu treffen.
Damit Verbraucher mit wenig Erfahrung die Produkte am Markt besser vergleichen können, sollen die Anbieter enge Vorgaben für die Ausgestaltung ihrer Standarddepots haben.
Wie sieht die Anlage im Standarddepot aus?
Das Standarddepot soll zwei vorausgewählte Fonds beinhalten. Einer davon muss risikoarm sein, also laut SRRI in Risikoklasse 1 oder 2 liegen. Der andere muss in Risikoklasse 3, 4 oder 5 liegen und ist demnach etwas chancenorientierter. ETFs auf den MSCI All Countries World Index liegen beispielsweise in der Klasse 4.
Die Aufteilung zwischen den beiden Fonds soll vom Anbieter vorgenommen werden. Du sollst sie aber anpassen können. Zudem gibt es für das Standarddepot im Gesetzesentwurf bestimmte Vorgaben, wie der Anbieter Dein Guthaben ab einem gewissen Zeitpunkt vor dem angedachten Rentenbeginn aufteilen muss. Auch hierbei sollst Du aber mitentscheiden dürfen, wenn Du möchtest.
Wir bei Finanztip empfehlen Dir, Dein Altersvorsorgedepot selbst zusammenzustellen. So bist Du frei in Deiner Depotzusammensetzung.
Wie hoch sollen die Kosten im Standarddepot sein?
Die Effektivkosten des Standarddepots dürfen maximal ein Prozent pro Jahr betragen. Was sich für Riester-Sparer mit Rentenversicherungen nach einem traumhaften Wert anhört, ist im Vergleich zu kostenfreien Depots und günstigen ETF-Sparplänen allerdings sehr teuer. Es wird daher darauf ankommen, zu welchem Preis die Unternehmen das Standarddepot wirklich anbieten werden.
Darüber hinaus ist geplant, dass das Standarddepot komplett digital und auch ohne Beratung erworben werden können muss.
Kommt ein staatliches Standarddepot?
Die Koalition hat angekündigt, dass es neben Depots bei privaten Anbietern ein öffentlich organisiertes Altersvorsorgedepot anbieten. Das soll eine günstige und einfache Standardlösung für Unentschlossene und Unerfahrene bieten. Dafür sollen die gleichen Regeln wie für die private Konkurrenz gelten. Im Gesetzestext ist dies als Möglichkeit vorgesehen.
Wie das Vorhaben konkret umgesetzt wird, ist noch nicht klar.
Worauf sollten Einsteiger im Altersvorsorgedepot setzen?
Wenn Du regelmäßig Finanztip liest und unseren Newsletter verfolgst, weißt Du bereits, dass langfristiges Anlegen am Aktienmarkt nicht kompliziert sein muss. Am besten eignet sich dafür ein weltweit gestreuter Aktien-ETF auf den MSCI All Countries World Index. Einen solchen gibt es bei allen großen Fondsanbietern, zum Beispiel bei iShares, Vanguard und xTrackers. In unserem ETF-Finder kannst Du darüber hinaus nach verschiedenen Kriterien filtern, die Dir bei der Auswahl Deines ETF besonders wichtig sind.
Was sind die Vor- und Nachteile des Altersvorsorgedepots?
Im Vergleich mit einem normalen Depot hat das Altersvorsorgedepot zwei Nachteile.
1. Geringere Flexibilität: Im Gegensatz zu einem normalen Depot, das Du komplett frei gestalten und aus dem Du Dir auch jederzeit Geld auszahlen lassen kannst, soll es beim Altersvorsorgedepot die gleiche Vorgabe wie bei Riesterverträgen geben. Heißt: Würdest Du Dir vor dem Alter von 65 das Geld auszahlen lassen, wäre das eine förderschädliche Verwendung. In diesem Fall müsstest Du alle erhaltenen Zulagen und auch eventuell erhaltene Steuerersparnisse zurückzahlen. Die Gewinne, die aus der Anlage der Zulagen entstanden sind, dürftest Du dabei aber behalten.
2. Beschränkung der Anlage: Während Du bei einem klassischen Depot jeden bei Deinem Anbieter angebotenen Fonds beziehungsweise jedes verfügbare Wertpapier kaufen und besparen kannst, wird es beim Altersvorsorgedepot Beschränkungen geben. Details dazu liest Du oben im ersten Kapitel.
Was sind die Vorteile des Altersvorsorgedepots?
Wenn Du das Altersvorsorgedepot für seinen originären Zweck nutzen möchtest, scheinen die Nachteile vernachlässigbar. Ihnen gegenüber stehen eine Reihe von Vorteilen:
1. Keine Steuern in der Ansparphase: Laut dem Gesetzentwurf musst Du während der Laufzeit keine Steuer auf die Vorabpauschale zahlen. Das sorgt dafür, dass während des Vermögensaufbaus kein Geld aus dem Depot abfließt. Dadurch kann sich Dein Geld im Altersvorsorgedepot bei gleicher Rendite und gleichen Kosten besser entwickeln als in einem normalen Depot.
2. Mehr Rendite durch die Zulage:
Die Zulagen vom Staat erhöhen Deinen Depotwert, daher machst Du bei positiver Rendite mehr Gewinn als ohne staatliche Förderung. Über die Jahre kommt da ordentlich etwas zusammen. Vor allem, da der Vorteil aufgrund des Zinseszins-Effekts stetig größer wird. In Deinem Altersvorsorgedepot würde sich Dein Geld also schneller vermehren als in einem klassischen Depot.
Diese beiden Vorteile zusammengenommen, machen enorm viel aus. Das kannst Du am Beispiel von Johannes, unserem kinderlosen Gutverdiener, erkennen. Er zahlt 40 Jahre lang 1.800 Euro in sein Altersvorsorgedepot ein. Sein Grenzsteuersatz beträgt 30 Prozent. Als Basiszins für die Vorabpauschale nehmen wir 3,2 Prozent an.
Bei einer Rendite von sechs Prozent pro Jahr und Effektivkosten von 0,2 Prozent pro Jahr, bekommt Johannes nach Steuern 269.000 Euro netto aus seinem Altersvorsorgedepot. Das sind 48.000 Euro bzw. 22 Prozent mehr als mit einem normalen ETF-Depot.
Und es gibt noch zwei weitere Vorteile des Altersvorsorgedepots im Vergleich mit einem klassischen ETF-Depot:
3. Steuerfreies Umschichten
Schichtest Du in einem normalen Depot Guthaben von einem Fonds in einen anderen um, zahlst Du neben Kauf- und Verkaufsgebühren auch Steuern auf Gewinne. Nicht so im Altersvorsorgedepot. Hier sollst Du die Möglichkeit bekommen, beliebig zu verändern, wie Du Dein Geld anlegst. Besonders zum Tragen kommt dieser Vorteil in den letzten Jahren vor dem Ruhestand. Schichtest Du beispielsweise einen Teil Deines Guthabens in einen weniger schwankenden Geldmarktfonds um, musst Du dabei keine Steuern zahlen. Bei größeren Summen kannst Du durch diese Regelung so mehrere Tausend Euro sparen.
4. Steuerfreies Rebalancing
Hast Du mehrere Fonds in Deinem Altersvorsorgedepot, kannst Du in der Ansparphase auch steuerfreies Rebalancing betreiben. Rebalancing beschreibt den Prozess, eine bestimmte Gewichtung von mehreren Anlagen regelmäßig wiederherzustellen. Beispielsweise möchtest Du zwei Fonds gleich gewichten. Da sie sich aber unterschiedlich entwickeln, kann sich das Verhältnis über die Zeit ändern. Um Deine Wunschaufteilung wiederherzustellen, verkaufst Du jährlich einige Anteile des Fonds, der gut lief, und kaufst Fondsanteile, die sich weniger gut entwickelt haben.
Wie viel kannst Du in das Altersvorsorgedepot einzahlen?
Neben der Höchstgrenze für die förderfähigen Einzahlungen wird es voraussichtlich auch einen grundsätzlichen Maximalbetrag pro Vertrag geben: 6.840 Euro pro Jahr. Bis zu dieser Summe könntest Du Geld in Dein Altersvorsorgedepot einzahlen. Neben den geförderten 1.800 Euro also noch weitere 5.040 Euro.
Ist es sinnvoll, mehr als 1.800 Euro in das Altersvorsorgedepot einzuzahlen?
Es kann sinnvoll sein, mehr als die förderfähigen 1.800 Euro in Dein Altersvorsorgedepot einzuzahlen.
Die Regelung, dass Du während der Laufzeit keine Steuer auf die Vorabpauschale zahlen musst, soll nämlich nicht nur für die ersten 1.800 Euro gelten. Sondern auch für Einzahlungen zwischen 1.801 und 6.840 Euro. Denn sie ist unabhängig von der Förderung.
Lohnen sich mehrere Altersvorsorgedepots?
Mit zwei Altersvorsorgedepot-Verträgen würde der Vorteil sogar noch größer. Denn in einen zweiten Vertrag könntest Du weitere 6.840 Euro zu den gleichen Bedingungen einzahlen. Insgesamt also 13.680 Euro. 1.800 Euro davon mit, 11.880 Euro ohne Förderung. Mehr als zwei Verträge pro Person sollen allerdings nicht erlaubt sein.
Aber: Ein zweiter Altersvorsorgedepot-Vertrag würde nicht Deine Förderung erhöhen. Die gäbe es nur auf die ersten 1.800 Euro pro Jahr – egal ob Du diese Einzahlung auf einen oder zwei Verträge aufteilst.
Wie läuft die Auszahlphase beim Altersvorsorgedepot ab?
Laut dem Gesetzesentwurf hast Du für die Auszahlung des Depot-Guthabens folgende Möglichkeiten:
- Auszahlplan bis zum Alter von mindestens 85 Jahren
- lebenslange Rentenzahlung
Zwischen Deinem 65. und 70. Geburtstag sollst Du in die Auszahlphase Deines Altersvorsorgedepots wechseln können. Beziehst Du schon vorher eine gesetzliche Altersrente oder eine Beamtenpension, dürftest Du auch schon früher in die Auszahlphase gehen.
Zu Beginn der Auszahlphase sollst Du einmalig die Option haben, bis zu 30 Prozent Deines Depotwerts auf einen Schlag zu entnehmen. Das heißt Teilkapitalisierung und wäre bei beiden Auszahlvarianten möglich. Die Einmalzahlung müsstest Du ganz normal als Einkommen versteuern. Also mit Deinem persönlichen Steuersatz.
Solltest Du in dem Jahr noch gearbeitet haben, ist es meist sinnvoll, die Auszahlung der Summe beim Übergang in die Auszahlphase auf den 1. Januar des Folgejahres zu legen. So erhältst Du Arbeitslohn und die Einmalzahlung nicht im selben Jahr und zahlst daher weniger Steuern.
- Auszahlplan bis 85
Beim Auszahlplan würdest Du monatlich Geld von Deinem Anbieter bekommen, mindestens bis zu Deinem 85. Geburtstag. Für die Berechnung der Höhe wird der Wert Deines Depots zum Stichtag, an dem Du in die Auszahlphase wechselst, zugrunde gelegt. Hast Du Dich für die Teilkapitalisierung entschieden, wird dieser Betrag abgezogen. Der Rest wird dann durch die Anzahl an verbleibenden Monaten bis zum Alter 85 geteilt.
Ein Beispiel: Amar hat zum Wechsel in die Auszahlphase mit 67 Jahren 300.000 Euro in seinem Depot. Er entnimmt als Teilkapitalisierung einmalig 30 Prozent des Depotwertes, also 90.000 Euro. Die verbleibenden 210.000 Euro werden dann auf 18 Jahre, also 216 Monate aufgeteilt. Dabei nehmen wir an, dass sich das Kapital durch die Anlage beim Anbieter im Ruhestand weiterhin mit drei Prozent pro Jahr verzinst. Amar bekommt dann brutto jeden Monat rund 1.252 Euro bis er 85 Jahre alt ist.
Legt der Anbieter das Geld während der Auszahlphase weiterhin an und erwirtschaftet damit Gewinne, kann er diese ebenfalls an Amar auszahlen. Hierbei wird es konkret darauf ankommen, wie die Anbieter ihre Produkte gestalten und welche Regelungen es für die Auszahlphase geben wird.
Die genauen Konditionen der Auszahlphase werden bei jedem Anbieter und Produkt unterschiedlich sein. Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass Unternehmen auch spezielle Produkte nur für die Auszahlphase anbieten dürfen. Insofern wird es sinnvoll sein, vor dem Übergang in die Auszahlungsphase noch einmal über einen Anbieterwechsel nachzudenken. Zu gegebener Zeit findest Du bei uns einen Vergleich der besten Angebote, sodass Du Dir das für Dich passende Auszahlprodukt raussuchen kannst. - Lebenslange Rente
Entscheidest Du Dich für die lebenslange Rente, würden Deine Auszahlungen nicht mit dem 85. Geburtstag enden. Sondern Du erhältst die monatlichen Zahlungen von Deinem Anbieter bis Du stirbst. Diese werden ebenfalls auf Basis Deines Depotwerts berechnet. Allerdings mit dem Unterschied, dass das Enddatum der Zahlungen im Vorhinein nicht klar ist. Daher würde Dein Anbieter so kalkulieren, als ob Du sehr, sehr alt würdest. Mit Hilfe des Rentenfaktors rechnet er Dein Guthaben in eine lebenslange Rente um. Der Rentenfaktor ist bei jedem Vertrag individuell und gibt an, wie viel Geld Du monatlich pro 10.000 Euro Depotwert erhältst.
Ein Beispiel: Merret hat wie Amar 300.000 Euro im Depot und entnimmt 90.000 Euro zu Beginn ihres Ruhestands mit 67 Jahren als Einmalzahlung. Sie entscheidet sich für die lebenslange Verrentung der verbleibenden 210.000 Euro. Bei einem Rentenfaktor von 35 würde Merret monatlich 735 Euro Bruttorente erhalten. Beträgt der Rentenfaktor ihres Vertrags allerdings nur 30, startet sie mit 630 Euro. Liegt er bei 25, sind es nur 525 Euro im ersten Monat.
Für die beiden schlechteren Rentenfaktoren haben wir einen leichten Anstieg der Rente mit einberechnet. Denn der Versicherer kann Merrets Guthaben über den Verlauf des Ruhestandes anlegen und damit Rendite erwirtschaften. Beim höheren Rentenfaktor von 35 ist diese Entwicklung unserer Einschätzung nach bereits vom Anbieter eingeplant, daher nehmen wir hier keine Steigerung an.
Wie unterscheiden sich die beiden Auszahlmöglichkeiten?
In allen drei Fällen erhält Merret monatlich deutlich weniger Geld als Amar. Mit seinem Auszahlplan bekommt er rund 1.252 Euro brutto. Allerdings enden Amars Auszahlungen, wenn er 85 ist. Merrets Zahlungen laufen weiter, bis sie stirbt. Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der Auszahlungen über die Jahre im Ruhestand.
Auszahlplan vs. lebenslange Rente: monatliche Auszahlung (brutto)

Quelle: Finanztip-Berechnungen
Bei einem Rentenfaktor von 30 übersteigen Merrets gesamte Auszahlungen nach 27 Jahren die kumulierten Auszahlungen, die Amar bekommen hat. Sie ist dann 94 Jahre alt. Bei einem Rentenfaktor von 25 müsste sie 95 Jahre alt werden, um mehr Geld ausgezahlt zu bekommen als Amar. Bei einem Rentenfaktor von 35 erreicht Merret erst mit 97 Jahren die Höhe von Amars Auszahlungen, die er bis 85 erhalten hat. Hierbei ist die Inflation aber nicht berücksichtigt. Die folgende Grafik zeigt, wie sich die Gesamtsumme der Auszahlungen entwickelt.
Auszahlplan vs. lebenslange Rente: kumulierte Auszahlung (brutto)

Quelle: Finanztip-Berechnungen
Unsere Beispielrechnung gibt lediglich eine grobe Orientierung. Wie genau die Anbieter die lebenslange Rentenzahlung gestalten werden, ist aktuell noch unklar.
Ist ein Auszahlplan besser als eine lebenslange Rente?
Schon am Beispiel wird ersichtlich: Ob die lebenslange Rente eine echte Alternative zum Auszahlplan darstellt, wird auf die konkrete Gestaltung der neuen Produkte und darüber hinaus auf die individuellen Konditionen der Verträge ankommen. Vor allem auf den Rentenfaktor, die Rendite und die Kosten im Ruhestand. Zusätzlich soll es auch neue Möglichkeiten geben, wie das Geld während der Auszahlphase angelegt wird.
Welche Variante – Auszahlplan oder lebenslange Rente – für Dich besser ist, hängt aber nicht nur von der letztlichen Höhe der Auszahlungen ab, sondern auch von Deinen Präferenzen und Deinem Gesundheitszustand.
Optional soll es bei der lebenslangen Rente auch die Möglichkeit geben, Deine Familie abzusichern – zumindest ein bisschen. Die Unternehmen sollen als Zusatzbaustein eine Rentengarantiezeit von zehn oder 20 Jahren anbieten dürfen. Das bedeutet: Du kannst Dich für eine etwas niedrigere Rente entscheiden. Dafür wird sie die ersten zehn Jahre nach Übergang in die Auszahlphase aber garantiert ausgezahlt. Also auch, wenn Du bereits verstorben bist. Sie geht dann an Deine Hinterbliebenen.
Wie funktioniert die Abfindung bei niedrigen Guthaben?
Liegt Deine potenzielle monatliche Auszahlung unter einem bestimmten Wert, sollst Du die gesamte Summe aus Deinem Altersvorsorgedepot als Einmalzahlung erhalten können.
Der Grenzwert dafür steigt jedes Jahr und ist abhängig von der Bezugsgröße in der Sozialversicherung pro Monat. In diesem Jahr beträgt sie 3.955 Euro.
Liegt Deine potenzielle monatliche Rente unter einem Prozent dieses Werts – in diesem Jahr also 39,55 Euro – kannst Du statt der monatlichen Rente eine Einmalzahlung bekommen. Denn Deine Rente wäre dann eine sogenannte Kleinbetragsrente.
Die Abfindung versteuerst Du mit Deinem persönlichen Einkommenssteuersatz. Unter Umständen darfst Du dabei die Fünftelregelung anwenden.
Wie ändert sich die Regelung zur Kleinbetragsrente durch die Reform der privaten Altersvorsorge?
Im Rahmen der Reform der privaten Altersvorsorge soll die Regelung zur Kleinbetragsrente angepasst und der Grenzwert erhöht werden. Eine Abfindung soll dann möglich sein, wenn Deine potenzielle Rente maximal 1,5 Prozent der Bezugsgröße beträgt. Heißt: Dein Guthaben darf dann etwas höher sein als bisher und Du kannst trotzdem die Abfindung wählen.
Bei der Umrechnung von Guthaben zu potenzieller Rente kommt es auf den Rentenfaktor an. Diesen legt Dein Anbieter beim Übergang in die Auszahlphase fest.
Als Faustregel kannst Du Dir merken: Bei einem Rentenfaktor von 30 wirst Du ab Inkrafttreten der Reform voraussichtlich eine einmalige Abfindung bekommen können, wenn das Guthaben in Deinem Riestervertrag oder Altersvorsorgedepot im Bereich bis maximal 20.000 Euro liegt.
Diese Änderung des Prozentsatzes soll darüber hinaus auch für Riester- und Rürupverträge gelten.
Wie versteuerst Du die Auszahlung aus dem Altersvorsorgedepot?
Wie Du die monatlichen Auszahlungen im Ruhestand versteuern musst, soll nicht von der Auszahl-Variante abhängen. Sondern davon, aus welchen Einzahlungen die Gewinne im Vertrag entstanden sind.
Hast Du in jedem Jahr maximal 1.800 Euro eingezahlt, besteht das gesamte Guthaben im Vertrag aus förderfähigen Einzahlungen, Zulagen vom Staat und den daraus über die Jahre erzielten Gewinnen durch das Anlegen am Kapitalmarkt.
Monatliche Auszahlungen aus dem Vertrag würdest Du in diesem Fall mit Deinem persönlichen Steuersatz versteuern.
Hast Du zusätzlich Geld in den Vertrag eingezahlt, zum Beispiel den Höchstbetrag pro Vertrag von 6.840 Euro, dann folgt nun eine Unterscheidung.
Variante A: Bekommst Du auch das Kapital, das sich aus den zusätzlich eingezahlten 5.040 Euro entwickelt hat, als monatliche Zahlung, dann soll dafür die Ertragsanteilsbesteuerung gelten. Das bedeutet, dass Dein Alter beim Übergang in die Auszahlphase entscheidend für den Steuersatz ist. Bist Du bei Auszahlbeginn beispielsweise 65 Jahre alt, zahlst Du 18 Prozent Steuern auf die Gewinne aus diesem Teil des Geldes. Bist Du 67 Jahre alt, sind es 17 Prozent. Dieser Wert bleibt für die gesamte Dauer der Auszahlung gleich.
Variante B: Lässt Du Dir das Guthaben, das sich aus Deinen zusätzlichen Einzahlungen gebildet hat, auf einen Schlag auszahlen, dann gelten andere Regularien. Lief der Vertrag mindestens zwölf Jahre, soll das Halbeinkünfteverfahren angewendet werden. Das bedeutet, dass Du die Hälfte der Gewinne, die so entstanden sind, mit Deinem persönlichen Steuersatz versteuerst.
Lief der Vertrag weniger als zwölf Jahre, soll stattdessen Abgeltungssteuer anfallen. Und zwar auf die entstandenen Gewinne aus Deinen Einzahlungen, die höher waren als 1.800 Euro pro Jahr. Die Abgeltungssteuer beträgt 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer. Die Einmalauszahlung wird in diesem Fall also behandelt wie eine Entnahme aus einem klassischen Depot.
Was musst Du beim Wechsel aus einem Riester-Vertrag beachten?
Wenn Du bereits einen Riester-Vertrag hast, sollst Du die Möglichkeit bekommen, ins neue Fördersystem zu wechseln. Zum Beispiel in das neue Altersvorsorgedepot.
Ob Du wechseln solltest – und wenn ja, in welches Modell – hängt von vielen Faktoren ab. Wie die neuen Produkte konzipiert sein werden und was sie kosten, spielt dabei eine entscheidende Rolle. Auch relevant ist, welche Konditionen Dein alter Vertrag hat und wie gut er bisher gelaufen ist.
Ist das Altersvorsorgedepot besser als Riester?
Das neue Fördersystem scheint auf den ersten Blick eine Verbesserung für viele Riester-Sparer zu sein. Für manche Menschen wird es nach Finanztip-Einschätzung allerdings finanziell sinnvoller sein, im alten System zu bleiben. Deinen bestehenden Riester-Vertrag kannst Du behalten.
Der Wechsel ins neue Fördersystem soll laut dem Gesetzesentwurf nicht automatisch passieren. Ein formloses Schreiben an Deinen Riester-Anbieter soll dafür aber ausreichen.
Wer sollte nicht zum Altersvorsorgedepot wechseln?
Geringverdienende, die mehrere Kinderzulagen in ihren Vertrag erhalten, sollten eher nicht zum Altersvorsorgedepot wechseln. Die ursprüngliche Hauptzielgruppe von Riester profitiert im neuen System nach unseren Berechnungen deutlich weniger als beispielsweise Durchschnitts- und Gutverdiener.
Denn wenn Du Kinder hast, wenig verdienst und auch nur wenig für Deine Altersvorsorge sparen kannst, würdest Du im alten System mehr staatliche Förderung bekommen als im neuen System. Und Du müsstest auch weniger Geld selbst einzahlen. Das folgende Beispiel verdeutlicht das.
Albert, der alleinerziehende Vater aus unserem Beispiel, verdient 20.000 Euro brutto im Jahr. Seine beiden Kinder sind nach 2008 geboren. Die folgende Tabelle zeigt den Unterschied zwischen einem Riestervertrag nach dem alten Fördersystem und einem Altersvorsorgedepot nach dem neuen System.
Geringverdiener mit zwei Kindern: altes vs. neues Fördersystem
| altes Fördersystem | neues Fördersystem | |
|---|---|---|
| Eigenbeitrag | 60 € p.a. (Mindestbeitrag) | 120 € p.a. (Mindestbeitrag) |
| Grundzulage | 175 € p.a. | 60 € p.a. |
| Kinderzulage 1 | 300 € p.a. | 120 € p.a. |
| Kinderzulage 2 | 300 € p.a. | 120 € p.a. |
| Zulagen insgesamt | 775 € p.a. | 300 € p.a. |
| Summe im Vertrag | 835 € p.a. | 420 € p.a. |
| Förderquote | 1.292 % | 250 % |
Quelle: Finanztip-Berechnungen
In beiden Fördersystemen zahlt Albert den Mindestbeitrag, um überhaupt einen Vertrag zu bekommen und Anspruch auf die Förderung zu haben. Im alten System sind das 60 Euro, im neuen 120 Euro pro Jahr.
Statt 775 Euro Zulage bekäme Albert im neuen System nur 300 Euro pro Jahr vom Staat. Denn die Zulagen würden im neuen System prozentual auf die Höhe seiner Einzahlungen berechnet. Im bisherigen System bekommt er die Zulagen, wenn sie die Vorgabe zur Höhe des Eigenbeitrags erfüllt hat. Diese berechnet sich aus seinem Bruttoeinkommen des Vorjahres und ist bei ihm mit dem Mindestbeitrag abgedeckt.
Wie groß der Unterschied für Albert ist, wird nicht nur daran deutlich, dass im neuen System insgesamt viel weniger Geld in den Vertrag fließt. Sondern auch besonders an der Förderquote.
Im alten System betragen die Zulagen für ihn 1.292 Prozent seines Eigenbeitrags. In seinen Vertrag fließt also knapp 13-mal so viel Zulage wie Geld von seinem Konto. Im neuen System würde die Förderquote nur bei 250 Prozent liegen. Das ist noch immer ein nennenswerter Bonus.
Aber: Albert müsste im neuen Fördersystem doppelt so viel Geld einzahlen wie im alten und hätte am Ende des Jahres nur halb so viel Geld in seinem Vertrag.
Lohnt es sich, 2026 noch einen Riester-Vertrag abzuschließen?
Ab 2027 kannst Du keinen neuen Vertrag im alten Fördersystem mehr abschließen. Das sieht der Gesetzesentwurf vor.
Hast Du ein eher geringes Einkommen und mehrere Kinder, wird der Wechsel zum Altersvorsorgedepot – und damit ins neue Fördersystem – für Dich wahrscheinlich nachteilig sein. Denn auch, wenn Du im Altersvorsorgedepot mit Deinem Guthaben eine höhere Rendite erwirtschaften kannst als in bisherigen Riester-Produkten: Die staatliche Förderung ist bei geringen Einzahlungen der weitaus größere Faktor.
Ist es sinnvoll, 2026 in die Riester-Auszahlphase zu wechseln?
Bist Du schon am Ende der Ansparphase Deines Riester-Vertrags angekommen? Dann stehst Du vor der Entscheidung, wann Du in die Auszahlphase wechselst.
Wenn die Auszahlphase so verändert wird, wie es im Gesetzesentwurf vorgesehen ist, wird sie deutlich flexibler und besser. Aktuell hast Du selbst bei einem Auszahlplan unnötige Kosten. Das liegt daran, dass Dein Anbieter verpflichtet ist, mit einem Teil Deines Riester-Guthabens eine Rentenversicherung zu kaufen. Aus dieser bekommst Du ab Alter 85 Deine Rente ausgezahlt. Dadurch entstehen erneut sowohl Abschluss- als auch Verwaltungskosten.
Gehst Du erst nach Inkrafttreten der Reform in die Auszahlphase, kannst Du die verbesserten Bedingungen nutzen. Konkret: Dein Auszahlplan muss nur bis 85 Jahre laufen, eine zusätzliche Rentenversicherung ist nicht nötig.
Bist Du bereits in der Auszahlphase Deines Riester-Vertrags, ist ein Systemwechsel nicht mehr möglich.
Was kannst Du schon vor dem Start des Altersvorsorgedepots tun?
Wenn Du bisher noch keine private Altersvorsorge hast, warte nicht auf die Reform der Bundesregierung, sondern starte schon jetzt mit Deinem Vermögensaufbau für den Ruhestand. Denn jeder Monat zählt.
Alle Infos zum Loslegen findest Du in unserem Ratgeber zum ETF-Sparen.
Zum Altersvorsorgedepot und zu allen anderen Entwicklungen im Zuge der Reform halten wir Dich selbstverständlich bei Finanztip auf dem Laufenden – unter anderem über unseren Newsletter und unsere Finanztip-App.



