Das Wichtigste in Kürze
- Die Riester-Rente ist eine Art der privaten Altersvorsorge mit speziellen Verträgen, die vom Staat bezuschusst werden.
- Einen Riester-Vertrag neu abzuschließen, lohnt sich 2026 nur für Geringverdiener mit mehreren Kindern.
- Mit der geplanten Reform der privaten Altersvorsorge wird die Riester-Rente umfassend überarbeitet. Sie soll am 1. Januar 2027 in Kraft treten.
So gehst Du vor
- Kommt Dein Riester-Vertrag dieses Jahr in die Auszahlphase, verschiebe den Übergang wenn möglich auf 2027. Nach der Reform hast Du mehr Flexibilität.
- Du bist Geringverdiener mit mehreren Kindern und hast keinen Riester-Vertrag? Dann prüfe, ob es sich lohnt, einen Vertrag noch dieses Jahr abzuschließen.
- Wenn Du in der Ansparphase eines Riester-Vertrags bist, kündige oder wechsle erst einmal nicht, sondern warte das Inkrafttreten der Reform ab.
Klickst Du auf eine Empfehlung mit *, unterstützt das unsere Arbeit. Finanztip bekommt dann eine Vergütung. Empfehlungen sind aufwändig recherchiert und basieren auf den strengen Kriterien der Finanztip-Expertenredaktion. Mehr Infos
Inhalt
- Was ist die Riester-Rente?
- Was bringt die Riester-Reform 2026?
- Was machst Du bis zur Reform mit Deinem bestehenden Riester-Vertrag?
- Wer sollte noch vor der Reform einen Riester-Vertrag abschließen?
- Wie hoch ist die Riester-Förderung?
- Welche Riester-Arten gibt es?
- Wie funktioniert die Auszahlung der Riester-Rente?
- Was ist die Kritik an der Riester-Rente?
Wer im Alter gut über die Runden kommen möchte, sollte sich nicht nur auf die gesetzliche Rente verlassen. Wichtige Ergänzungen sind das ETF-Sparen und die geförderte Altersvorsorge. Eine Variante davon ist die Riester-Rente. Aufgrund der über Jahre fallenden Zinsen wurden neue Verträge schlechter und schlechter. Heute sind viele Kunden unzufrieden und ärgern sich über den Abschluss.
Die schwarz-rote Koalition hat eine umfangreiche Riester-Reform auf den Weg gebracht. Der Bundestag hat sie bereits beschlossen, das Votum des Bundesrates steht noch aus. Sie soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten. Danach können sich neue Verträge wieder lohnen. Ob das auch für Dich gilt, wie Riestern eigentlich funktioniert und für wen die geplante Reform eine Verbesserung ist, liest Du in diesem Ratgeber.
Was ist die Riester-Rente?
Die Riester-Rente ist eine Form der geförderten privaten Altersvorsorge, bei der spezielle Vorsorgeverträge mit staatlichen Zulagen und Steuerermäßigungen unterstützt werden. Das geht für verschiedene Arten von Verträgen, zum Beispiel Fondssparpläne und Rentenversicherungen. Mit der geplanten Riester-Reform soll unter anderem das Altersvorsorgedepot dazu kommen, in dem Du in ETFs investieren kannst.
In der Ansparphase zahlst Du monatlich oder jährlich Geld in einen von Dir ausgewählten, privaten Altersvorsorgevertrag ein. Der Staat zahlt dann einen Zuschuss in den Vertrag, eventuell bekommst Du sogar noch eine Steuerermäßigung. Das hängt davon ab, wie viel Du verdienst und wie viel Geld Du in den Vertrag steckst.
Über die Jahre sammeln sich so Deine Einzahlungen und die Zulagen im Vertrag an. Dazu kommt die Rendite, also die Wertentwicklung des Geldes. Die ist davon abhängig, wie Dein Anbieter das Geld anlegt und wie gut es in dem Zeitraum läuft.
Wer darf riestern?
Grundsätzlich kann jeder Arbeitnehmer, der in die gesetzliche Rentenkasse einzahlt, riestern. Auszubildende, Beamte, Richter, Landwirte und Soldaten werden ebenfalls gefördert (§ 10a EstG).
Darüber hinaus gibt es in den Förderregeln nach dem alten System noch ein paar weitere, seltenere Fälle, in denen Du förderfähig bist (§ 10a EstG).
Das gilt, wenn Du:
- Selbstständig und in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert bist.
- Mini- oder Midi-Jobber bist und in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlst.
- Student mit Nebenjob bist und in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlst.
- Bundesfreiwillige oder freiwillig Wehrdienstleistender bist.
- Mitglied in der Künstlersozialkasse bist.
- arbeitslos bist und Arbeitslosengeld I erhältst, aber zuvor in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hast.
- Bürgergeld-Empfänger bist, aber zuvor in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hast.
- Frührentner bist, also zum Beispiel Erwerbsminderungsrente oder Dienstunfähigkeitsrente bekommst.
- Pflegeperson eines Angehörigen mit Pflegegrad 2 für mindestens zehn Stunden pro Woche bist.
Bist Du als Arbeitnehmer in Elternzeit oder bekommst aktuell Krankengeld oder Übergangsgeld, wirst Du ebenfalls gefördert.
Bist Du nicht förderfähig, hast Du die Möglichkeit, über Deinen Ehe- oder Lebenspartner zu riestern (§ 79 EstG). Das geht aber nur, wenn dieser auch einen Riester-Vertrag hat.
Wie das genau funktioniert, liest Du in unserem Ratgeber zur Riester-Förderung.
Mit der geplanten Riester-Reform soll der Personenkreis erweitert werden. Mehr dazu im Kapitel zur Riester-Reform.
Was ist die Riester-Beitragsgarantie?
Zum Ruhestandsbeginn müssen mindestens Deine Sparbeiträge und die staatlichen Zulagen für die Auszahlung zur Verfügung stehen. Zu dieser Beitragsgarantie verpflichtet sich Dein Anbieter Dir gegenüber. Diese Regel gilt im alten System für alle Verträge. Mit der geplanten Reform soll sich das jedoch ändern.
Genau diese Garantie macht viele Riester-Verträge nämlich unrentabel. Denn die Anbieter können das Geld nur sehr risikoarm investieren. In Zeiten mit einem hohen Zinssatz für Lebensversicherungen, dem sogenannten Höchstrechnungszins, war das kein Problem. Allerdings liegt der Höchstrechnungszins seit Jahren nur noch auf einem geringen Niveau. Dadurch ist die Beitragsgarantie zu einer der Schwachstellen der Riester-Rente geworden.
Denn das Riester-Guthaben ist durch diese Regelung zwar sicher angelegt, doch die Chancen auf eine hohe Rendite sind gering. Diese braucht es aber, damit die hohen Kosten der Riester-Verträge ausgeglichen werden können.
Was bringt die Riester-Reform 2026?
Die Erneuerung der Riester-Rente ist der wichtigste Teil der Reform der privaten Altersvorsorge. Der Bundestag hat sie bereits beschlossen. Die Zustimmung des Bundesrates steht noch aus. Inkrafttreten soll der Großteil der Änderungen zum 1. Januar 2027.
Was sind die wesentlichen Veränderungen durch die Riester-Reform?
Kommt die Reform so, wie im Gesetzentwurf vorgesehen, den der Bundestag beschlossen hat, musst Du künftig drei Riester-Varianten auseinanderhalten:
- Riester-Verträge im alten Fördersystem: Hast Du einen laufenden Riester-Vertrag oder schließt Du vor dem 1. Januar 2027 noch einen ab, genießt dieser Bestandsschutz. Das heißt: Er läuft unverändert weiter und wird auch weiterhin nach den alten Regeln gefördert. Als Geringverdiener mit mehreren Kindern kann sich das für Dich lohnen. Neu einsteigen kannst Du in das alte System nach dem 1. Januar 2027 aber nicht mehr. Bist Du mit Deinem alten Vertrag unzufrieden, kannst Du ab 2027 ins neue System wechseln.
- Riester-Verträge im neuen Fördersystem: Auch nach dem 1. Januar 2027 kannst Du Riester-Verträge abschließen, die dann Garantieprodukte genannt werden. Bei der Beitragsgarantie sollen Sparer zwischen 80 oder 100 Prozent wählen können. Gefördert werden sie nach den neuen Förderregeln, die wir Dir im folgenden ausführlicher vorstellen.
- Das Altersvorsorgedepot: Im neuen Altersvorsorgedepot, das mit der Reform eingeführt wird, kannst Du für Deine Altersvorsorge in ETFs und andere Fonds investieren. Dies wird ebenfalls nach den neuen Regeln vom Staat gefördert. Eine Beitragsgarantie gibt es nicht – aber mehr Renditechancen. Jeder Anbieter soll zudem verpflichtet werden, ein Standarddepot mit einem Kostendeckel von einem Prozent anzubieten.
Der Entwurf sieht insgesamt weitgehende Änderungen für neu abgeschlossene Riester-Verträge im Fördersystem, beim begünstigten Personenkreis und weiteren Punkten vor. Die wichtigsten:
- Statt wie bisher am Einkommen soll sich die Förderhöhe künftig an Deinen Einzahlungen orientieren: Investierst Du bis zu 360 Euro pro Jahr, erhältst Du für jeden eingezahlten Euro 50 Cent vom Staat. Das sind maximal 180 Euro pro Jahr. Für jeden weiteren Euro bis zu einer Obergrenze von 1.800 Euro erhältst Du 25 Cent. Das entspricht noch einmal 360 Euro Bonus jährlich. Die höchstmögliche Grundzulage pro Jahr beträgt daher 540 Euro. Für jedes kindergeldberechtigte Kind sollst Du pro eingezahltem Euro einen Euro vom Staat zusätzlich erhalten, wenn das Kind Deinem Vertrag zugeordnet ist. Das Maximum pro Jahr beträgt 300 Euro pro Kind im Jahr.
- Die Mindest- und Höchstbeiträge sollen ansteigen: Die Höchstgrenze für Deine förderfähigen jährlichen Einzahlungen soll künftig bei 1.800 Euro liegen. Der Mindestbeitrag soll 120 Euro pro Jahr betragen, also zehn Euro pro Monat.
- Die Pflicht zur Beitragsgarantie wird entfallen. Riester-Verträge sollen künftig neben 100 Prozent Garantie auch 80 Prozent oder gar keine Garantie aufweisen können.
- Mit dem Altersvorsorgedepot soll eine Riester-Art eingeführt werden, die es Dir ermöglicht, in ein ETF-Depot zu investieren und dabei vom Staat gefördert zu werden. Jeder Anbieter muss dabei ein Standarddepot mit einem Kostendeckel von einem Prozent anbieten. Außerdem soll es ein Standarddepot von einem öffentlichen Anbieter geben.
- Bei der Steuererklärung sollst Du höhere Summen angeben können.
- Auch Selbstständige und Mitglieder von berufsständischen Versorgungswerken sollen gefördert werden können.
- Die Auszahlphase wird erst ab 65 Jahren möglich sein, dafür aber flexibler gestaltet sein. Unter anderem soll es möglich sein, statt der lebenslangen Rente einen Auszahlplan bis mindestens 85 zu wählen.
- Die Entnahme von Riester-Guthaben fürs Eigenheim und Umbauten soll deutlich verbessert werden.
Alles zu den Details und Auswirkungen der geplanten Änderungen liest Du in unserem Ratgeber zur Riester-Reform.
Was machst Du bis zur Reform mit Deinem bestehenden Riester-Vertrag?
Finanztip empfiehlt, Deinen Riester-Vertrag bis zur Reform erst einmal nicht zu kündigen oder zu wechseln. Bist Du unzufrieden, stell den Vertrag lieber beitragsfrei. Voraussichtlich wird es ab 2027 deutlich bessere Möglichkeiten für einen Wechsel geben. Zum Beispiel das Altersvorsorgedepot. Wir halten es für wahrscheinlich, dass sich ein Übertrag bei vielen bestehenden Riester-Verträgen lohnen wird. Es kommt aber immer auf den Einzelfall an.
Einen bestehenden Riester-Vertrag in das neue Altervorsorge-Depot zu übertragen, wird nach dem vom Bundestag beschlossenen Gesetzentwurf möglich sein. Dabei soll die bisherigen Förderung erhalten bleiben. Dein bisheriger Anbieter darf dafür maximal 150 Euro verlangen, wenn der Vertrag jünger als fünf Jahre ist. Ist er älter, soll der Anbieter keine Wechselkosten berechnen dürfen. Der neue Anbieter darf für den Übertrag ebenfalls höchstens 150 Euro in Rechnung stellen. Weitere Abschluss- oder Vertriebskosten auf das bereits geförderte Kapital sollen unzulässig sein.
Der Wechsel mit dem bestehenden Vertrag ins neue Fördersystem soll einfach per Meldung an Deinen Riester-Anbieter möglich sein. Du sollst auch die Möglichkeit haben, mit Deinem Riester-Vertrag im alten System zu bleiben. Für Alleinerziehende und Familien mit mehreren Kindern und geringem bis mittlerem Einkommen wird das in vielen Fällen die bessere Wahl sein.
Wer sollte noch vor der Reform einen Riester-Vertrag abschließen?
Im alten Fördersystem eignet sich Riestern nur für Alleinerziehende und Familien mit geringem Einkommen und mehreren Kindern. Denn nur, wenn der Staat den Großteil der Einzahlungen übernimmt, lohnt es sich, im alten System einen Vertrag abzuschließen. Auch wenn Du noch dieses Jahr im alten System abschließt, wirst Du nach dem aktuellen Gesetzesentwurf jederzeit in das neue System wechseln können. Für alle mit höherem Einkommen oder einem beziehungsweise gar keinem Kind lohnt sich der Abschluss eines alten Riester-Vertrags nach Finanztip-Berechnungen nicht.
Hast Du ein geringes Einkommen und mehrere Kinder, ist der Anteil der Zulagen-Förderung im Verhältnis zu Deinen eigenen Einzahlungen so hoch, dass es sich rechnet, mit einem Vertrag mit hohen Kosten und bestenfalls mittelmäßiger Rendite vorzusorgen.
Dein eigenes Kapital wird sich in einem Riester-Vertrag aufgrund der Beitragsgarantie kaum vermehren. Das zusätzliche Geld vom Staat macht dafür umso mehr aus. Wer also nur wenig eigenes Geld in einen Riester-Vertrag investiert, kann von der Förderung enorm profitieren. Und je mehr Kinder Du hast, desto höher sind die Zuschüsse.
Das erklären wir Dir an einem Beispiel: Der alleinerziehende Vater Stefan hat ein Jahresbruttogehalt von 20.500 Euro und zwei Kinder, die nach 2008 geboren wurden. Für die volle Förderung muss er jährlich vier Prozent seines Gehalts in seinen Riester-Vertrag einzahlen, also 820 Euro. Zusätzlich zu seiner Grundzulage in Höhe von 175 Euro bekommt er für seine beiden Kinder noch jeweils 300 Euro vom Staat in den Vertrag. Macht zusammen 775 Euro. Die Zulagen werden schon von seinem zu zahlenden Beitrag abgezogen. Das heißt für Stefan: Er muss nur den jährlichen Mindestbeitrag von 60 Euro zahlen. Denn sein errechneter Wert liegt mit 55 Euro darunter.
Stefan würde so für gerade mal 60 Euro im Jahr einen staatlichen Zuschuss zu seiner Altersvorsorge in Höhe von 775 Euro bekommen. Über die Jahre kommt da viel Geld zusammen: Nach 25 Jahren sind das – ohne Rendite und ohne Kosten gerechnet – knapp 20.000 Euro staatliche Förderung, während Stefan selbst nur 1.500 Euro beigesteuert hat. Ein richtig guter Deal.
Wichtig: Kommt die Riester-Reform wie geplant, muss Stefan noch vor dem 1. Januar 2027 einen Riester-Vertrag abschließen, sonst kommt er nicht mehr ins alte Fördersystem.
Ist Riester 2026 für Gutverdiener sinnvoll?
Für Gutverdiener sind die Nachteile meist deutlich größer als die Vorteile beim Riestern, jedenfalls nach den alten Regeln.
Die Höhe Deines Steuervorteils hängt von der Höhe Deiner Zulagen und Deinem Einkommensteuersatz ab. Doch selbst, wenn der generell hoch ist, sorgt die maximale Einzahlungshöhe von 2.100 Euro dafür, dass sich der Steuereffekt in Grenzen hält.
Auf die Zulagen zu verzichten, um die Steuerersparnis zu maximieren, lohnt sich ebenfalls nicht. Die Auszahlungen musst Du später versteuern. Und um die Einzahlungen wieder ausgezahlt zu bekommen, musst Du aufgrund der Umrechnung in eine lebenslange Rente sehr alt werden. Dazu mehr in Kapitel 8.
Als Gutverdiener ergibt es deutlich mehr Sinn, auf eine Anlagestrategie mit mehr Renditepotenzial zu setzen. Zum Beispiel auf eine flexible Altersvorsorge wie einen ETF-Sparplan.
Nach Inkrafttreten der Riester-Reform wird sich das neue Altersvorsorgedepot in vielen Fällen für Dich lohnen. Das zeigt der Finanztip-Altersvorsorge-Depot-Rechner.
Wie hoch ist die Riester-Förderung?
Das alte Riester-Fördersystem gilt noch bis zum Inkrafttreten der Reform. Die Regeln sehen so aus:
- Als Grundzulage bekommst Du jährlich 175 Euro.
- Die Kinderzulage in Höhe von 300 Euro pro Jahr gibt es für jedes ab 2008 geborene Kind. 185 Euro fließen in den Vertrag, wenn das Kind vor 2008 geboren ist.
Die Kinderzulage kannst Du für jedes kindergeldberechtigte Kind beantragen. Ein Kind kann allerdings nur einem Riester-Vertrag zugeordnet werden. Eltern können also nicht beide die Riester-Zulage für ein gemeinsames Kind erhalten.
Für Menschen, die vor dem 26. Geburtstag einen Riester-Vertrag abschließen, gibt es einen einmaligen Bonus in Höhe von 200 Euro (§ 84 EstG).
Über die Zulagen hinaus kannst Du eventuell von Steuervorteilen profitieren.
Wie viel musst Du für die volle Zulage in Deinen Riester-Vertrag einzahlen?
Um die Zulagen vollständig zu bekommen, müssen in Deinen Riester-Vertrag nach dem alten Fördersystem jährlich mindestens vier Prozent Deines Bruttojahreseinkommens des Vorjahres fließen. Dabei zählen die Zulagen bereits mit.
Bei einem Jahresgehalt von 30.000 Euro müssen also jährlich 1.200 Euro auf Deinem Riester-Konto eingehen, damit Du die vollen Zulagen erhältst. Bekommst Du beispielsweise die Grundzulage in Höhe von 175 Euro und zwei Kinderzulagen in Höhe von zusammen 600 Euro, musst Du also noch 425 Euro einzahlen. Das entspricht circa 35 Euro pro Monat.
Zahlst Du weniger ein, erhältst Du die Zulagen anteilig im gleichen Verhältnis. Heißt: Zahlst Du nur die Hälfte der 425 Euro ein, bekommst Du nur die Hälfte der Förderung.
Die Untergrenze für Einzahlungen beträgt 60 Euro pro Jahr. Das entspricht fünf Euro pro Monat. So viel musst Du in jedem Fall einzahlen. Auch wenn Du so wenig verdient hast, dass vier Prozent Deines Bruttoeinkommens weniger als 60 Euro sind.
Wie funktioniert die Steuerersparnis der Riester-Rente?
Deine jährlichen Beiträge und staatlichen Zulagen kannst Du im alten System bis zu einem Betrag von 2.100 Euro als Sonderausgaben geltend machen. Dazu musst Du bei Deiner Einkommenssteuererklärung die Anlage AV ausfüllen.
Bevor Du eine Erstattung bekommst, prüft das Finanzamt, ob die Summe aller Zulagen, die Du erhalten hast, höher ist als die potenzielle Steuererstattung. Geld bekommst Du nur, wenn das nicht der Fall ist. Und sonst auch nur die Differenz zwischen beiden Werten.
Hast Du also zum Beispiel 775 Euro Zulage erhalten und Deine errechnete Steuererstattung beträgt 300 Euro, bekommst Du kein Geld über die Steuer zurück. Denn Du bekommst immer die Förderung, die höher ist – in diesem Fall die Zulagen. Das nennt sich Günstigerprüfung.
Würden Deine Zulagen nur 175 Euro betragen, also nur die Grundzulage ohne Kinderzulagen, bekämst Du die Differenz zu den 300 Euro über Deine Steuererklärung zurück. Also 125 Euro.
Alle Details zu den Zulagen und verschiedene Beispielrechnungen findest Du in unserem Ratgeber zur Riester-Förderung.
Welche Riester-Arten gibt es?
Es gibt verschiedene Arten von Altersvorsorge-Verträgen, die vom Staat im alten Riester-Fördersystem unterstützt werden: Riester-Fondssparpläne, Riester-Rentenversicherungen, Riester-Bausparverträge und Riester-Banksparpläne. Darüber hinaus kannst Du auch ein Riester-Immobilien-Darlehen aufnehmen.
Was ist ein Riester-Fondssparplan?
Riester-Fondssparpläne sind im Grunde ganz normale Fondssparpläne, erweitert um die Beitragsgarantie für Riester-Verträge. Das Vertragsguthaben wird am Kapitalmarkt angelegt. Die Aufteilung auf Aktienfonds und weniger volatile Fonds, zum Beispiel Rentenfonds, übernimmt der Anbieter. Das Investieren in passive ETFs ist nicht möglich, da die Banken und Fondsgesellschaften nur ihre eigenen Fonds anbieten.
Was kostet ein Riester-Fondssparplan?
Wählst Du einen Riester-Fondssparplan, zahlst Du keine Abschlusskosten. Dafür wird auf jeden Beitrag ein Ausgabeaufschlag fällig. Das sind quasi die Kosten für das Anlegen Deiner Einzahlungen in einem Fonds. Zusätzlich erheben die Anbieter meist jährliche Gebühren für die Verwaltung.
Riester-Fondssparpläne sind nach unseren Finanztip-Analysen günstiger als Riester-Rentenversicherungen.
Welchen Riester-Fondssparplan empfiehlt Finanztip?
Finanztip empfiehlt geringverdienenden Familien und Alleinerziehenden mit mehreren Kindern fürs Fonds-Riestern die Uniprofirente Select von Union Investment.
Weitere Infos findest Du in unserem ausführlichen Text zum Thema Riestern mit Fonds.
Was ist eine Riester-Rentenversicherung?
Riester-Rentenversicherungen sind reguläre Rentenversicherungen mit dem Zusatz der 100-prozentigen Beitragsgarantie. Es gibt klassische und fondsgebundene Riester-Rentenversicherungen. Der Unterschied ist dabei die Anlagestrategie. Bei einer klassischen Lebens- oder Rentenversicherung wird das Geld im sogenannten Deckungsstock des Versicherers angelegt und erwirtschaftet dementsprechend Zinsen. Du profitierst also davon, wenn es für den Versicherer mit all seinen Geldanlagen gut läuft.
Bei fondsgebundenen Lebens- und Rentenversicherungen wird nur ein Teil des Kapitals auf diese Weise angelegt, ein anderer ein Teil wird in Fonds investiert. Der Anteil wird vom Versicherer festgelegt, die Fonds kannst Du Dir aber selbst aussuchen. Bei den meisten Anbietern sind auch ETFs wählbar.
Was kostet eine Riester-Rentenversicherung?
Bei einer Riester-Rentenversicherung zahlst Du Abschlusskosten, also eine Provision. Diese beträgt in der Regel mehrere Hundert bis einige Tausend Euro. Je nachdem, wie hoch Dein Beitrag ist und wie lange Dein Vertrag läuft. Der Versicherer nimmt diese Kosten verteilt über die ersten fünf Jahre aus Deinem Vertragsguthaben.
Einen Teil Deiner Einzahlungen und auch der Zulagen kassieren Versicherer darüber hinaus als Verwaltungskosten. Hast Du Dich für eine fondsgebundene Riester-Rentenversicherung entschieden, fallen zusätzlich noch Fondskosten an.
Welche Riester-Rentenversicherungen empfiehlt Finanztip?
Aufgrund der hohen Kosten für Verbraucher empfiehlt Finanztip keine Rentenversicherungen, sondern lediglich Fondssparpläne für das Riestern. Details liest Du in unserem Ratgeber zum Thema Riester-Rentenversicherung.
Gibt es noch Riester-Banksparpläne?
Riester-Banksparpläne werden seit einigen Jahren nicht mehr angeboten. Grund dafür sind die zwischenzeitlich stark gesunkenen Zinsen. Diese haben dafür gesorgt, dass es sich für Banken nicht mehr gelohnt hat, entsprechende Produkte auf den Markt zu bringen. Heute gibt es noch etwas mehr als eine halbe Million dieser Verträge.
Ein großes Thema bei Riester-Banksparplänen sind die häufig zu Unrecht berechneten Kosten beim Übergang in die Auszahlungsphase. Mehr Infos dazu liest Du in unserem Ratgeber zu Riester-Banksparplänen.
Was ist ein Riester-Bausparvertrag?
Riester-Bausparverträge sind eine Möglichkeit, Kapital für eine Immobilie anzusparen. Egal ob Du kaufen, bauen, energetisch sanieren oder altersgerecht umbauen möchtest. Das Prinzip ist genau wie bei einem normalen Bausparvertrag: In der ersten Phase sparst Du etwa die Hälfte der Bausparsumme an, die andere Hälfte gibt es dann als Darlehen zu einem festen Zins.
Möchtest Du einfach nur für später vorsorgen, ist ein Riester-Bausparvertrag keine gute Wahl. Die Zinsen, die Du auf Dein Guthaben bei einem Bausparvertrag bekommst, sind deutlich schlechter als bei anderen Vorsorgeverträgen. Planst Du bereits das Eigenheim, kann ein Riester-Bausparvertrag durchaus eine Option für Dich sein. Mehr dazu liest Du in unserem Ratgeber zum Thema Riester-Bausparvertrag.
Was kostet ein Riester-Bausparplan?
Bei Riester-Bausparverträgen, sogenannten Wohnriester-Verträgen, fällt ein Prozentsatz der Bausparsumme als Abschlusskosten an. Dazu gibt es jährliche Verwaltungskosten.
Was ist Wohn-Riester?
Wohn-Riester ist keine eigene Riester-Art. Der Begriff beschreibt, dass Du aus Deinem Riester-Vertrag – egal, welcher Art – Geld für eine Immobilie entnimmst. Beispielsweise um sie zu kaufen, zu bauen, altersgerecht umzubauen oder energetisch zu sanieren. Das nennt sich wohnwirtschaftliche Verwendung. Das geht grundsätzlich mit dem Kapital aus jeder der vier Riester-Arten. Allerdings musst Du dabei ein paar Regeln beachten und Fristen einhalten.
Darüber hinaus kannst Du auch ein Wohn-Riester-Darlehen aufnehmen, also einen geförderten Immobilienkredit. Statt in Dein Guthaben fließt die Riester-Förderung dabei in die Tilgung des Darlehens. Weitere Infos findest Du in unserem Text zu Wohn-Riester.
Wenn Du an einem Riester-Darlehen interessiert bist, geh am besten zu einem Baufinanzierungsvermittler. Die Anbieter besitzen eigene Datenbanken, in denen sie Richtlinien und Zinsberechnungen von zahlreichen Kreditgebern speichern. Dadurch können sie ermitteln, welche Bank Dir aktuell zu welchen Zinssätzen das gewünschte Darlehen zusagen würde.
Lohnt es, sich für Wohn-Riester auf die Reform zu warten?
Wohn-Riester soll es auch nach der Riester-Reform geben, mit neuen Regeln. Sie sind ebenfalls unterm Strich besser für Dich als die alten. Um sie zu nutzen, darfst Du allerdings erst nach dem 1. Januar 2028 Geld aus dem Riester-Vertrag entnehmen. Wenn Du also Zeit hast, warte mit Deinem Vorhaben bis dahin.
Wie funktioniert die Auszahlung der Riester-Rente?
Die Auszahlungsphase Deiner Riester-Rente beginnt normalerweise mit dem Renteneintritt. Die Rentenzahlungen musst Du mit Deinem normalen Einkommenssteuersatz versteuern.
Etwa ein halbes Jahr vor Vertragsende erhältst Du Post von Deinem Anbieter. Du musst dann Entscheidungen für die Auszahlung des Geldes treffen.
Solltest Du vor der Reform in die Auszahlphase wechseln?
Da Du nach Inkrafttreten der Riester-Reform mehr Möglichkeiten für die Auszahlphase haben wirst, empfiehlt Dir Finanztip, den Beginn der Auszahlphase auf einen Zeitpunkt nach dem 1. Januar 2027 zu verschieben – sofern das möglich ist. Dann wirst Du voraussichtlich eine weitere Option bekommen: ein Auszahlplan mindestens bis zum Alter 85 statt der lebenslangen Verrentung.
Warten lohnt sich ebenfalls beim Wohn-Riester, der wohnwirtschaftlichen Entnahme. Wenn die Zeit bei Dir nicht drängt, starte Dein Bau- oder Umbauprojekt nach dem 1. Januar 2028. Ab dann sollen die neuen, besseren Regeln für die Entnahme von Guthaben aus Deinem Riester-Vertrag gelten.
Welches ist die beste Option für die Auszahlung der Riester-Rente?
Würdest Du nur eine geringe Rente erhalten, kannst Du Dir das gesamte Kapital auch nach dem alten System auf einen Schlag auszahlen lassen. Diese sogenannte Kleinbetragsrente ist möglich, wenn Deine monatliche Rente im aktuellen Jahr unter 39,55 Euro liegen würde.
Wie viel Riester-Guthaben kannst Du Dir auszahlen lassen?
Liegt Deine monatliche Rente über der Grenze für die Kleinbetragsrente, kannst Du Dir nach den alten Regeln immerhin bis zu 30 Prozent Deines Riester-Guthabens direkt auszahlen lassen.
Die kompletten 30 Prozent zu nehmen, ist in den meisten Fällen der beste Wert. Denn je mehr Geld Du zu Beginn der Auszahlungsphase entnimmst, desto eher hast Du Deine Einzahlungen wieder zurück.
Wie wirkt sich die Riester-Auszahlung auf Deine Steuer aus?
Für beide Auszahl-Arten gilt: Aufgrund der Einmalzahlung erhöht sich Dein Steuersatz in dem entsprechenden Jahr. Das wirkt sich negativ auf all Deine anderen Einkünfte aus. Bitte daher den Anbieter, die Auszahlung auf den 1. Januar des Folgejahres nach Deinem Renteneintritt zu legen.
Denn Dein Steuersatz ist im Ruhestand höchstwahrscheinlich deutlich niedriger als in einem Jahr mit Gehaltseingang. Eventuell kannst Du für die Einmalzahlung die sogenannte Fünftelregelung anwenden. Damit würdest Du noch etwas mehr Steuern sparen.
Wie der Rest des Geldes verrentet wird, hängt mit der Vertragsart zusammen, für die Du Dich entschieden hast. Bei Riester-Fondssparplan, Riester-Rentenversicherung und Riester-Banksparplan musst Du jeweils noch eine weitere wichtige Entscheidung treffen. Dazu liest Du am besten in den jeweiligen Detail-Ratgebern weiter.
Musst Du die Riester-Rente versteuern?
Ja, Du musst die Auszahlung Deiner Riester-Rente versteuern. Unabhängig davon, ob Du eine Kapitalauszahlung oder eine monatliche Rente bekommst (§ 32a EStG).
Handelt es sich um einen Riester-Vertrag mit staatlichen Zulagen? Dann wird Dein persönlicher Steuersatz zugrunde gelegt. Diesen zahlst Du auf Dein gesamtes zu versteuerndes Einkommen (zvE).
Ein Beispiel: Gerd tritt in den Ruhestand ein. Mit Rente und Gehalt aus einem Teilzeitjob kommt er als alleinstehende Person auf ein zvE von 15.000 Euro im Jahr 2025. Gerd muss darauf 485 Euro Einkommensteuer zahlen. Hinzu kommt seine Riester-Auszahlung in Höhe von 1.200 Euro brutto im Jahr. Damit muss Gerd 15.000 + 1.200 = 16.200 Euro versteuern. Insgesamt werden dann 731 Euro Einkommensteuer fällig. Somit zahlt Gerd für seine 1.200 Euro Riester-Rente 246 Euro Steuern. Unter dem Strich bleiben ihm Jahr netto pro Jahr also nur 954 Euro.
Hätte Gerd keinen Job, sondern nur seine gesetzliche und seine Riester-Rente, würde die Steuerlast wegen des Altersentlastungsbetrags für den Riester-Anteil etwas sinken. Der Altersentlastungsbetrag wird allerdings bis 2058 schrittweise auf null abgesenkt.
Hast Du in Deinen Riester-Vertrag mehr Geld eingezahlt als pro Jahr gefördert wird, werden diese Einzahlungen, der Ertrag daraus und der daraus resultierende Teil Deiner monatlichen Auszahlung mit dem Ertragsanteil versteuert.
Lässt Du Dir einmalig Kapital auszahlen, welches auf ungeförderten Beiträgen beruht, musst Du Abgeltungssteuer und gegebenenfalls Kirchensteuer sowie Solidaritätszuschlag zahlen. Ganz genau kannst Du das auch in unserem Ratgeber zur Besteuerung von Lebensversicherungen nachlesen.
Grundsicherung: Wird die Riester-Rente angerechnet?
Solltest Du im Ruhestand auf Grundsicherung angewiesen sein, werden die ersten 100 Euro monatliche Rente aus Deinem Riester-Vertrag nicht bei der Ermittlung angerechnet. Der Betrag, um den sie über der Grenze von 100 Euro liegt, bleibt bis zu den Höchstgrenzen zu 30 Prozent anrechnungsfrei (§ 82 Abs. 4 SGB 12).
Was ist die Kritik an der Riester-Rente?
Nach über 20 Jahren ist klar, dass das Ziel der Riester-Rente gescheitert ist. Sie wurde 2001 als Ausgleich für die Absenkung des Rentenniveaus eingeführt. Damit wurde ein Teil des umlagefinanzierten Rentensystems durch eine kapitalgedeckte Vorsorge auf individueller und freiwilliger Basis ersetzt. Und somit ein Teil der Verantwortung für das Auskommen im Ruhestand auf die Bürgerinnen und Bürger übertragen.
Hohe Kosten, niedrige Renditen und ein insgesamt kompliziertes System haben die Riester-Rente über die Zeit immer unattraktiver gemacht. Sowohl für Verbraucher als auch für Anbieter. Letztere haben sich ebenfalls großflächig aus dem Riester-Geschäft zurückgezogen.
Auch wenn einzelne Verträge im alten System in Ausnahmefällen lohnenswert sind: Die Bilanz der Riester-Rente ist ernüchternd.
Wie viele Menschen bekommen Riester-Rente?
Laut der Riester-Auszahlungsstatistik des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) bekamen 2022 rund eine Million Riester-Sparer Auszahlungen aus ihren Verträgen, wovon rund 80 Prozent eine lebenslange Altersrente erhielten. Die Rentenhöhen sind allerdings eher gering. Knapp drei Viertel von ihnen bekamen monatlich weniger als 100 Euro brutto.
Nur rund zehn Prozent der Riester-Sparer, die 2022 in die Auszahlphase gewechselt sind, haben sich einen Teil des Kapitals zu Rentenbeginn auf einen Schlag auszahlen lassen.
Wie viele Riester-Verträge wurden gekündigt?
4,6 Millionen Verträge sind bis Ende 2023 gekündigt worden. Das bestätigten das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), das Bundesministerium der Finanzen (BMF) und die Deutsche Rentenversicherung (DRV) gegenüber Finanztip. Das entspricht knapp einem Viertel der 20,1 Millionen bis 2023 abgeschlossenen Verträge.
Wie viele Riester-Zulagen mussten zurückgezahlt werden?
Im Zuge der Kündigung mussten Verbraucher laut BMAS, BMF und DRV im Schnitt im Jahr 2025 Zulagen und Steuervorteile in Höhe von durchschnittlich rund 2.500 Euro zurückzahlen.
Zusätzlich zu den von den Riester-Anbietern verlangten Gebühren für die Verträge, zum Beispiel Provisionen, Verwaltungskosten und Fondskosten. Millionen Menschen hat ihr Riester-Vertrag nichts gebracht – im Gegenteil.
Auch um die noch existierenden Verträge steht es nicht gut. Zieht man die Verträge in der Auszahlphase – im Jahr 2022 rund eine Million – von den Ende 2022 noch bestehenden 15,9 Millionen Verträgen ab, ergibt das 14,9 Millionen Verträge in der Ansparphase Ende 2022.
Wie viele Riester-Verträge sind stillgelegt?
Schätzungen des BMAS zufolge wird ein Fünftel bis ein Viertel aller Verträge aktuell nicht mehr bespart. Das entspräche einer Zahl von rund drei bis vier Millionen. Auch für die Menschen mit diesen Verträgen hat der geförderte Vorsorge-Baustein nicht funktioniert. Die Kürzung der gesetzlichen Rente werden sie mit ihren Riester-Verträgen nicht ausgleichen können.
Stillgelegte Riester-Verträge: Wie hoch ist die Dunkelziffer?
Finanztip schätzt, dass bis zu einem Drittel aller Riester-Verträge stillgelegt ist. Die Antwort auf die Frage nach der Dunkelziffer können auch wir bei Finanztip nur schätzen. Das liegt an den nicht vollumfänglich zur Verfügung stehenden Daten des BMAS. Wir leiten die Finanztip-Schätzung daher aus den verfügbaren Statistiken ab. Und zwar so:
Laut Riester-Förderstatistik des BMAS wurden im Jahr 2022 nur knapp 9,1 Millionen Menschen mit der Riester-Grundzulage staatlich gefördert. Rechnet man noch steuerlich geförderte Personen in Höhe der Zahl aus 2020 hinzu – für dieses Jahr liegen die neuesten finalen Zahlen vor – kommt man auf rund 9,2 Millionen geförderte Riester-Sparer. Direkt in Verbindung gesetzt werden zu den sich Ende 2022 noch in der Ansparphase befindenden 14,9 Millionen Verträgen, kann die Zahl nicht. Denn jede Riester-Sparerin kann zwei Verträge haben, auf die die Förderung aufgeteilt wird. Und darüber hinaus noch weitere nicht geförderte Verträge.
Nimmt man allerdings das Verhältnis von 1,06 Verträgen pro Person an – wie es bei Riester-Sparern in der Auszahlphase laut BMAS-Statistik im Jahr 2022 der Fall war –, verteilen sich die 14,9 Millionen Verträge auf rund 14 Millionen Personen. Abzüglich der rund 9,2 Millionen geförderten Personen ergibt sich eine Zahl von 4,8 Millionen nicht geförderte Riester-Sparer im Jahr 2022. Das entspricht umgerechnet ungefähr fünf Millionen nicht geförderter Verträgen.
Die Zahl der stillgelegten Riester-Verträge scheint demnach höher zu sein, als vom BMAS angenommen. Zwar müssen auch eine kleine Zahl Verträge ohne Zulagenantrag sowie Verträge von Personen, die nicht mehr förderfähig sind, berücksichtigt werden. BMAS, BMF und DRV konnten die jeweilige Anzahl auf Anfrage allerdings nicht beziffern.
Wie entwickelt sich die Realrendite der Riester-Verträge?
Die Realrendite von Riester-Verträgen, also die Rendite nach Berücksichtigung der Inflation, ist oft negativ.
Die meisten der noch besparten Verträge haben aufgrund der Kombination aus niedrigem Garantiezins, Beitragsgarantie und hohen Kosten ohnehin wenig Chance auf eine hohe Rendite. Das Guthaben vermehrt sich zwar nominal, aber damit eben nur auf dem Papier.
Bei einer Wertentwicklung von zum Beispiel 1,5 Prozent nach Abzug der laufenden Kosten und einer Inflation von zwei Prozent pro Jahr, dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), machen Riester-Sparer Minus. Da die Anbieter zudem nur den Nominalwert für das Guthaben zu Beginn des Ruhestands versprechen, müssen sie den real entstandenen Verlust nicht ausgleichen.
Warum hat die Riester-Rente so hohe Kosten?
Die Riester-Rente hat den substanziellen Fehler, dass die Anbieter nicht nur Kosten auf die Einzahlungen, sondern auch auf die staatlichen Zulagen erheben dürfen. Je nach Riester-Art und Produkt sind diese sehr unterschiedlich. Bei unserer letzten Finanztip-Analyse von Riester-Produkten lagen sie zwischen null und 8,5 Prozent.
Zwei Milliarden Euro Steuergelder sind auf diesem Weg nach Finanztip-Schätzungen seit der Riester-Einführung bis Ende 2024 direkt aus der Staatskasse allein in die Tasche der Versicherer und Fondsgesellschaften geflossen. Zusammen verwalten sie mehr als 85 Prozent aller Riester-Verträge.
Aufgrund des großen Verwaltungsaufwands waren die laufenden Kosten bei Riester-Verträgen von Beginn an höher als bei vergleichbaren Produkten ohne staatliche Förderung. Und deutlich höher als bei günstigen ETF-Sparplänen für die Altersvorsorge, die Du selbst einrichten kannst. Dazu kommen bei Versicherungsprodukten und Bausparverträgen noch die Provisionen, bei Fondssparplänen die Ausgabeaufschläge.
Warum kam die Kritik an den hohen Riester-Kosten erst später auf?
Das Thema war schon seit der Einführung der Riester-Rente bekannt, die vollen Ausmaße des Problems kamen aber erst mit dem Zinsabschwung zum Vorschein. Denn in den frühen Jahren waren die Gebühren noch zu verschmerzen, solange die Rendite der Riester-Verträge für die Verbraucher trotz der Kosten hoch genug war. Das änderte sich Schritt für Schritt mit der negativen Entwicklung des gesetzlichen Garantiezinses, dem sogenannten Höchstrechnungszins.
Welche weiteren Faktoren sprechen gegen die alte Riester-Rente?
Ebenfalls negativ für Riester-Sparer im alten System ist die hohe Lebenserwartung, mit der die Anbieter kalkulieren. Sie ist deutlich höher als die des statistischen Bundesamtes. Und je höher dieser Wert, desto geringer ist Deine monatliche Riester-Auszahlung im Ruhestand. Denn Dein Guthaben muss dann rechnerisch für mehr Jahre reichen. Daher dauert es umso länger, bis Du Dein über die Jahre eingezahltes Geld wieder zurück auf dem Konto hast.
In den vergangenen Jahren haben zudem mehrere Versicherer den Rentenfaktor in Millionen bestehenden Riester-Verträgen einseitig gekürzt. Das bedeutet, dass Du bei gleichem Guthaben zu Ruhestandsbeginn nun weniger Rente bekommst. Die Rentenfaktoren für Neuverträge waren ohnehin aufgrund der Entwicklung am Kapitalmarkt über die vergangenen Jahre bereits stark gesunken.
Wurde der Rentenfaktor bei Dir im Vertrag gesenkt, musst Du nun allerdings noch älter werden, um Deine Einzahlungen zurückzuerhalten. Begründet haben die Versicherer diesen Schritt mit den schlechten Bedingungen am Kapitalmarkt.
Was kannst Du tun, wenn der Rentenfaktor in Deinem Vertrag gesenkt wurde?
Wie Du gegen eine Kürzung des Rentenfaktors in Deinem Riester-Vertrag vorgehen kannst, erklären wir Dir im Ratgeber zum Rentenfaktor.
* Was der Stern bedeutet:
Finanztip ist kein gewöhnliches Unternehmen, sondern gehört zu 100 Prozent zur gemeinnützigen Finanztip Stiftung. Die hat den Auftrag, die Finanzbildung in Deutschland zu fördern. Alle Gewinne, die Finanztip ausschüttet, gehen an die Stiftung und werden dort für gemeinnützige Projekte verwendet – wie etwa unsere Bildungsinitiative Finanztip Schule.
Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, eigenständig die für sie richtigen Finanzentscheidungen zu treffen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).
Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links jedoch anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion ausführlich analysiert und empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.
Für uns als gemeinwohlorientiertes Unternehmen hat es natürlich keinen Einfluss auf die Empfehlungen, ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Dich als Verbraucher ist.
Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.


