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Krankenkasse noch teurer? Diese Pläne sollen es verhindern
Das Gesundheitsministerium hat erste Ansätze verraten, wie die große Sparreform für die gesetzlichen Krankenkassen aussehen soll. Worauf Du Dich einstellen solltest.

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Das Gesundheitsministerium hat erste Ansätze verraten, wie die große Sparreform für die gesetzlichen Krankenkassen aussehen soll. Worauf Du Dich einstellen solltest.


Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) erwartet auch für die kommenden Jahre Defizite im zweistelligen Milliardenbereich. Allein 2027 sollen über 15 Mrd. € fehlen – und würden weitere Beitragserhöhungen für Dich bedeuten.
Deshalb soll noch dieses Jahr eine große Reform kommen. Vor zwei Wochen hat eine Finanzkommission 66 Sparvorschläge vorgestellt, nicht alle davon werden auch umgesetzt. Jetzt hat Bundegesundheitsministerin Nina Warken auf einer Pressekonferenz erste Ansätze verraten, in welche Richtung es beim Gesetzesentwurf dazu gehen dürfte. Finanztip war für Dich vor Ort.
Laut Warken sollen drei Viertel der Vorschläge tatsächlich umgesetzt werden und 2027 stolze 20 Mrd. € einsparen – also 5 Mrd. € mehr als eigentlich nötig. Und dass, obwohl das Ziel erstmal nur stabile Beiträge sind. Erwarte also eher keine allgemein sinkenden Zusatzbeiträge zum Jahreswechsel oder schon unterjährig im laufenden Jahr.
Warum dann 5 Mrd. € mehr als gebraucht werden? Als Puffer. Einmal, falls sich die Situation bei Einnahmen und Ausnahmen der GKV im laufenden Jahr nochmal wesentlich verschlechtert. Und falls im weiteren politischen Diskurs nicht alles genau so umgesetzt wird wie von Warken angedacht. Denn alles muss jetzt erst noch genauer zwischen den Koalitionspartnern abgestimmt werden – außerdem melden Verbände und Lobbyisten bei manchen Punkten noch Bedenken an, z. B. die Pharmaindustrie.
Alle Punkte hat Warken noch nicht genannt, außerdem betreffen sehr viele Punkte gar nicht Dich direkt, sondern sind eher für Apotheken, Krankenhäuser, Praxen, Arbeitgeber und die Pharmaindustrie relevant. Hier aber die bisher wichtigsten Punkte für Dich, die kommen sollen:
Es soll kommen wie von der Kommission vorgeschlagen. Heißt: Die Grenzen sollen von bisher mind. 5 bis max. 10 € auf 7,50 bis 15 € pro verschreibungspflichtiges Medikament steigen. Auch in anderen Bereichen sollen Zuzahlungen steigen. Das soll 1,9 Mrd. € sparen.
Die kostenlose Familienversicherung war zuletzt bereits ein größerer Aufreger. Laut Markus Söder ist die CSU gegen die Abschaffung. Wohl auch deshalb sieht Warken u. a. hier noch Konfliktpotential.
Der bisherige Vorschlag wurde aber bereits aufgeweicht: Schon bisher war die Idee, dass Eheleute mit Kindern bis sechs Jahren oder mit zu pflegenden Angehörigen weiter kostenlos beim Partner mitversichert bleiben dürfen. Kinder selbst sowieso. Jetzt sollen auch Rentner und Eltern von Kindern mit Behinderung weiter kostenlos in der Familienversicherung bleiben dürfen. Deshalb dürften eher 2,2 Mrd. € statt der zunächst genannten 3,5 Mrd. € an Einsparungen drins ein.
Außerdem soll es ab 2028 keinen pauschalen Beitrag von 240 € pro Monat mehr geben, wenn für Dich die kostenlose Versicherung wegfällt. Stattdessen sollst Du 3,5 % des beitragspflichtigen Einkommens des versicherten GKV-Mitglieds für die Krankenkasse zahlen. Das ist also die Person, über die die Familienversicherung läuft.
Hier hatte die Kommission eine ganze Reihe von Vorschlägen gemacht. Die will Warken nun umsetzen. Unklar ist, ob wirklich alle gemeint sind. Insgesamt liegt das Sparpotential hier bei rund 1,5 Mrd. €. Den mit Abstand größten Batzen (1,3 Mrd. €) macht aber aus, dass das Krankengeld um 5 % gesenkt werden soll. Dann würdest Du nur noch 65 statt 70 % Deines Bruttolohns bzw. max. 85 statt 90 % des Nettolohns bekommen, wenn Du länger als sechs Wochen krank bist.
Weitere Vorschläge waren u. a.: Einführung von Teilkrankengeld, wenn Du zumindest teilweise arbeiten kannst, Anpassungen bei der Bezugsdauer von Krankengeld und Einschränkungen bei Krankengeld in Kombi mit einer Teilrente.
Zu Warkens Leitlinien bei der Entscheidung, was umgesetzt wird, gehört auch: Keine Erstattung von Leistungen, die keinen nachweisbaren Nutzen haben. Genau deshalb sollen die Kassen keine homöopathischen Behandlungen mehr übernehmen dürfen. Außerdem soll das kostenlose Hautkrebsscreening ausgesetzt werden. Laut Kommission ist es nämlich nur bei Risikogruppen wie Bauarbeitern sinnvoll. Beides zusammen soll etwa eine 0,25 Mrd. € sparen.
Und: Vor bestimmten Operation sollst Du Dir eine zweite Meinung einholen müssen. So soll das Risiko für unnötige OPs reduziert werden. Zuschüsse zum Zahnersatz sollen gekürzt werden.
Update 17.4.: Mittlerweile liegt auch ein Referentenentwurf aus dem Gesundheitsministerium vor. Darin befindet sich ein neuer Aspekt, der bisher noch kein Thema war: Die Beitragsbemessungsgrenze soll 2027 einmalig zusätzlich zum normalen Anstieg erhöht werden. Diese Grenze legt fest, bis zu welchem Bruttoeinkommen Du GKV-Beiträge zahlst. 2026 sind das 5.812,50 €/Monat bzw. 69.750 €/Jahr.
Diese Grenze verändert sich jedes Jahr abhängig von der allgemeinen Lohnentwicklung. Sie steigt also in aller Regel jährlich. Darüber hinaus soll sie 2027 nun um 300 €/Monat bzw. 3.600 €/Jahr steigen. Das soll weitere 2,4 Mrd. € einsparen und würde Gutverdienende und Arbeitgeber belasten. Die Versicherten insgesamt würden aber durch stabile Zusatzbeiträge entlastet.
Außerdem überlegt die CDU gerade anzupassen, wie lang Dein Arbeitgeber Dir Dein Gehalt weiterzahlen soll, wenn Du krank bist. Aktuell sind das sechs Wochen. Verkürzt sich diese Zeit? Oder gelten die sechs Wochen künftig eventuell nicht mehr pro Krankheit, sondern als maximales Kontingent pro Jahr? Beides wären mögliche Ansätze.
Aber: Die SPD hat bei diesem Thema bereits abgeblockt. Du musst also eher nicht damit rechnen, dass es zu dieser deutlichen Verschlechterung für Dich kommt. Warken selbst schiebt die Entscheidung zu dieser Frage aus ihrem Verantwortungsbereich. Zuständig ist das Ministerium für Arbeit und Soziales. Dasselbe gilt für das Thema Karenztag – also die Idee, dass Du am ersten Krankheitstag nicht mehr bezahlt werden würdest.
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