Am Wochenende starteten die USA und Israel militärische Angriffe auf den Iran. Die Finanzmärkte haben sofort darauf reagiert: Der Ölpreis zog an, Aktien gaben leicht nach. Vielleicht fragst auch Du Dich: Muss ich jetzt etwas mit meinem ETF oder Depot tun?
Die Sorge ist verständlich. Schlagzeilen über militärische Eskalationen lösen schnell das Gefühl aus, dass ein großer Crash bevorsteht. Doch der Zusammenhang zwischen Krieg und Börse ist komplexer, als Du vielleicht denkst.
Warum der Ölpreis so sensibel reagiert
Südlich des Iran liegt die Straße von Hormus. Durch dieses Nadelöhr fließen rund 20 % der weltweiten Öl- und Gasexporte. Entsprechend empfindlich reagieren die Märkte auf mögliche Störungen.
Trotzdem blieb die Reaktion bislang vergleichsweise moderat. Der Konflikt kam nicht völlig überraschend – über eine Eskalation wurde schon länger spekuliert. Auch der Ölpreis war seit Jahresbeginn bereits deutlich gestiegen.
Märkte reagieren also nicht erst auf Ereignisse. Sie preisen Erwartungen meist schon im Vorfeld ein.
Unsicherheit belastet die Kurse zuerst
Wenn sich ein Konflikt zuspitzt, fallen Kurse häufig schon vor dem eigentlichen Ausbruch. Anlegerinnen und Anleger reduzieren Risiken, Kapital wird abgezogen, die Schwankungen nehmen zu.
Ein Teil der schlechten Nachrichten steckt dann bereits in den Kursen. Forschende sprechen sogar vom „War Puzzle“: dem Phänomen, dass Börsen nach Kriegsbeginn häufig robuster reagieren als befürchtet.
Eine alte Börsenweisheit bringt es zugespitzt auf den Punkt: „Kauf beim Donner der Kanonen.“ Gemeint ist: Wenn die Angst am größten ist, sind viele Risiken schon eingepreist.
Der Blick in die Vergangenheit beruhigt
Ein Muster zeigt sich immer wieder: Geopolitische Schocks führen fast immer zu schnellen Kursausschlägen. Entscheidend ist aber, wo die Kurse ein oder zwei Jahre später stehen.
Beim Ukraine-Krieg 2022 begann der Kursrückgang an den Börsen schon Wochen vor dem Einmarsch. Bis Mitte Juni verlor der MSCI World rund 17 %. Knapp zwei Jahre später war das Vorkrisenniveau wieder erreicht. Heute steht der Index sogar rund 40 % höher als Anfang 2022.
Ähnlich verlief es 2003 beim Irakkrieg: Kurz vor Beginn der Invasion war die Unsicherheit groß. Drei Monate nach Kriegsbeginn lag der US-Index S&P 500 rund 14 % im Plus, nach einem Jahr etwa 27 %.
Was Terroranschläge an den Börsen auslösen
Auch nach schweren Terroranschlägen – etwa am 11. September 2001 in New York, dem Boston-Marathon-Anschlag 2013 oder den Anschlägen in Paris 2015 – sackten die Märkte zunächst ab.
Der Ökonom Bas Bonekamp untersuchte für das Ifo Institut die Auswirkungen solcher Ereignisse auf die Finanzmärkte. Das Ergebnis ist bemerkenswert klar: Unmittelbar nach einem Anschlag steigt die Unsicherheit stark an. Die Schwankungen nehmen zu, Aktienkurse fallen teils deutlich, Kapital wird kurzfristig abgezogen.
Langfristige, nachhaltige Einbrüche am Gesamtmarkt blieben in den analysierten Fällen jedoch meist aus. Die Märkte stabilisierten sich vergleichsweise schnell wieder.
Einzelne Branchen wie Tourismus, Luftfahrt oder Versicherungen können deutlich stärker betroffen sein – während andere Bereiche weniger reagieren oder vereinzelt sogar profitieren.
Märkte folgen eigenen Regeln
Menschlich sind Kriege Katastrophen. Für betroffene Länder und Branchen können sie existenzielle Folgen haben. An den Finanzmärkten zählen jedoch andere Maßstäbe.
Sie bewerten Risiken, Erwartungen und künftige Gewinne. Langfristig entscheiden vor allem Wirtschaftswachstum, Inflation, Zentralbankpolitik und Unternehmensgewinne über die Richtung der Kurse.
Was bedeutet das für Dich als Anleger?
Kurzfristige Schwankungen gehören dazu. Wenn Du langfristig und weltweit gestreut investierst, setzt Du auf die Entwicklung der globalen Wirtschaft – nicht auf einzelne Schlagzeilen. Historisch betrachtet waren Kriege selten ein dauerhafter Crash-Auslöser für den Gesamtmarkt.
Entscheidend ist, dass Dein Depot zu Deiner Risikobereitschaft passt und Du auch turbulente Phasen aushalten kannst. Wie Du herausfindest, ob Dein Portfolio zu Dir passt, liest Du in unserem Ratgeber zum Risikoprofil.