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Strom-Revolution von Ikea? Was der neue Tarif wirklich kann

Ikea wird zum Stromanbieter und bläst zum Angriff auf die Energiekonzerne? Was an solchen Schlagzeilen dran ist – und wie gut der neue Tarif wirklich ist.

Benjamin_Weigl
Benjamin Weigl Energie
Strom-Revolution von Ikea? Was der neue Tarif wirklich kann

Ikea-Strom? Dahinter steckt ein anderer Anbieter
Dynamischer Tarif: Lohnt nur mit hohem, flexiblem Verbrauch
Kostenvergleich: Ikea-Tarif nur im Mittelfeld

"Ikea wird Stromanbieter", "Angriff auf Energiekonzerne" und "Ikea plant Strom-Revolution". Geht es nach manchen Schlagzeilen der vergangenen Woche, könntest Du meinen, der bekannte Möbel-Riese aus Schweden rollt gerade den deutschen Strommarkt auf. Was steckt dahinter? Ist das alles nur gutes Marketing? Und wie gut ist das Angebot wirklich?

Ikea wird Stromanbieter, wirklich?

Nein, Ikea selbst nicht. Die Schweden nutzen nur ihre Bekanntheit, um den dynamischen Stromtarif “Svea Strom” ihrer Partnerfirma “Svea Solar” prominent zu vermarkten. Heißt: Ikea vertreibt nur den Tarif.  

Dein eigentlicher Vertragspartner und Stromlieferant wäre aber nicht einmal Svea, sondern die Nomos GmbH aus Berlin. Die stellt als sog. White-Label-Anbieter dynamische Stromtarife für mehrere Unternehmen wie z. B. Ikea/Svea bereit.

Wie revolutionär ist das?

Ein dynamischer Stromtarif ist nichts Neues – also keine große Ikea-Revolution. Solche Tarife, bei denen sich Dein Strompreis alle 15 Minuten auf Basis des aktuellen Börsenstrompreises ändert, gibt’s schon einige Jahre. Seit 2025 muss sie jeder Stromanbieter sogar verpflichtend anbieten.

Lohnt sich der Svea-Ikea-Tarif?

Laut Svea-Homepage kannst Du mit dem dynamischen Tarif bis zu 400 € gegenüber einem klassischen Festpreis-Tarif sparen. Und zwar schon dann, wenn Du keine steuerbaren Großverbraucher wie z. B. ein E-Auto oder eine Wärmepumpe hast – nur einen hohen Stromverbrauch von 5.000 kWh/Jahr.

Svea berechnet diese Einsparung aber mit dem teuren Grundversorgungstarif “FairRegio Strom basis” an seinem eigenen Sitz in Köln. Suchst Du in unserem Finanztip-Stromvergleich (enthält Werbelinks) am gleichen Standort nach einem günstigeren Anbieter mit Festpreis, sparst Du sogar rund 446 € gegenüber der Grundversorgung:

Heißt: Du brauchst keinen dynamischen Tarif, um sogar noch etwas mehr zu sparen.

Wann lohnt sich ein dynamischer Tarif?

Aus unserer Sicht längst nicht für jeden Haushalt. Wir empfehlen das nur, wenn Du einen hohen Stromverbrauch hast, also Du z. B. mit einer Wärmepumpe heizt oder zuhause Dein E-Auto lädst. Außerdem solltest Du unbedingt flexibel sein, wann Du solche Großverbraucher nutzt bzw. lädst – damit Du das genau dann tun kannst, wenn Strom gerade günstig ist.

Hast Du nur einen geringen, unflexiblen Verbrauch, sind solche Tarife eher ein Kostenrisiko. Denn dann verbrauchst Du vermutlich einen Großteil Deines Stroms zu teuren Zeiten. Und so ein Tarif verursacht auch Kosten, die Du bei einem klassischen Tarif nicht zahlst: Du brauchst einen intelligenten Stromzähler (Smart Meter).

Der Einbau ist nur in bestimmten Fällen kostenlos, sonst zahlst Du dafür mind. 100 €. Außerdem musst Du auch laufend mit höheren Gebühren dafür rechnen. Nur für einen dynamischen Tarif allein, also ohne echte Großverbraucher lohnen sich diese Kosten kaum. Denn z. B. das gezielte Steuern der Wasch- oder Spülmaschine bringt nur wenig.

Was kostet der Ikea-Tarif?

Die Anbietergebühren sind bei dynamischen Tarifen der einzige Faktor, bei dem sich die Anbieter unterscheiden – alle anderen Kostenfaktoren geben die Anbieter einfach an Dich weiter. Ikea bzw. eher Nomos verlangt hier eine Grundgebühr von 5,95 €/Monat – sofern Du Ikea-Mitglied bist, was immerhin kostenlos ist. Sonst zahlst Du 6,99 €. Hinzu kommt eine Beschaffungsgebühr von 2 ct/kWh Verbrauch.

Schließt Du den Tarif bis zum 01.02.26 ab, entfällt die Grundgebühr für sechs Monate. Auch das ist übrigens im Preisbeispiel auf der Webseite (s. o.) einberechnet. Außerdem bekommst Du nach sechs Monaten einen Ikea-Gutschein über 25 €.

Wie gut ist das im Vergleich mit anderen dynamischen Tarifen?

In unserem Vergleich für dynamische Stromtarife landet der Ikea-Tarif selbst mit der für Mitglieder rabattierten Grundgebühr nur im Mittelfeld (Preisscore: 5,0/10 Punkten) – wird also keine Finanztip-Empfehlung. Deutlich günstiger sind diese Anbieter:

Dort zahlst Du jeweils einen Grundpreis zwischen 3,90 € und 6 € im Monat plus eine Arbeitspreisgebühr zwischen 0,87 ct/kWh und 1,79 ct/kWh.

Fazit: Klingt gut, preislich aber eher Mittelfeld

Das Angebot klingt erstmal modern und flexibel. Aber nur weil Ikea draufsteht, ist es nicht automatisch billiger, besser oder neuer als andere. Und: Nur wenn Du beim Verbrauchen wirklich flexibel bist und einen hohen Strombedarf hast, sind dynamische Tarife grundsätzlich überhaupt was für Dich.  

Überstürz also nichts, z. B., um unbedingt noch die sechs Gratis-Monate oder den Gutschein mitzunehmen. Sondern lies Dich lieber erstmal mit unserem Ratgeber zu dynamischen Stromtarifen in Ruhe ins Thema ein. Passt so ein Tarif zu Dir, nutz dann unseren Vergleich, um Dich für den bestmöglichen Anbieter zu entscheiden. 

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