Versicherungen bezweifeln oft, dass Du mindestens sechs Monate nicht mehr in Deinem letzten Beruf arbeiten kannst beziehungsweise nur noch 50 Prozent oder weniger. Denn nur dann giltst Du als berufsunfähig (§ 172 VVG). Kannst Du mit Deiner psychischen Erkrankung nur 40 Prozent weniger arbeiten, bekommst Du keine BU-Rente. Zum Beispiel 24 statt 40 Stunden bei einer Vollzeitstelle.
Was musst Du bei Depressionen und BU-Rente beachten?
Besonders bei Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen setzen Versicherer oft Gutachter und Sachverständige darauf an, Dir weniger als 50 Prozent zu bescheinigen. Hierzu Beispiele aus der Praxis.
Ein Flugzugabfertiger war wegen chronischer Schmerzen berufsunfähig. Er bekam zunächst Unrecht und keine BU-Rente: Nach mehreren Gutachten hingen seine Beschwerden nicht mit dem “objektiven Befinden” zusammen. Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt gab dem Abfertiger aber 2022 Recht. Weil bei ihm eine „chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren“ vorliege, könne er weniger als 50 Prozent in seinem zuletzt ausgeübten Beruf leisten (OLG Frankfurt am Main, 23.02.2022, 7 U 199/12).
Das Landgericht (LG) Bochum urteilte 2010, dass einem Bankfilialleiter eine BU-Rente zustehe. Er litt unter hohem psychischen Druck bei der Arbeit, weshalb unter anderem seine rechte Hand anfing zu zittern. Entscheidend für das LG Bochum: Es handele sich um eine dauerhafte Erkrankung und nicht nur eine vorübergehende normale Stressreaktion (LG Bochum, Urteil vom 17.11.2010 - 4 O 313/09).
Allerdings bist Du in der Beweislast. Das heißt, allein die Diagnose Depression reicht nicht aus. Du musst auch mit einem konkreten Tätigkeitsprotokoll nachweisen, inwiefern die Depression sich auf Deinen zuletzt ausgeübten Beruf auswirkt. Hilfreich ist es auch, wenn Kolleginnen und Kollegen Deine Krankheit bezeugen. Etwa, dass Du öfter abwesend warst (OLG Karlsruhe, 25. Juni 2025, Az. 25 U 210/23).
Was musst Du beim Gutachten beachten?
Oft erstellen Versicherungen ein eigenes Gutachten, nachdem Dich Deine Therapeutin krankgeschrieben hat. Damit können sie Dich um Dein Geld bringen. Sie zweifeln dann daran, wie schwer Du erkrankt bist und wie lange Du voraussichtlich krank sein könntest. Schlimmstenfalls bekommst Du dann keine BU-Rente.
Woran scheitern Anträge auf BU-Rente?
Mehr als 38 Prozent der Anträge auf BU scheitern, weil Kunden sich nicht mehr melden, zeigt das Analysehaus Morgen & Morgen. Ein weiteres Drittel der Anträge scheitert, weil Betroffene zu weniger als 50 Prozent berufsunfähig sind. Du siehst also: Wenn Du berufsunfähig bist und ohnehin unter Depressionen leidest, kann es schwer sein, Deinen Antrag weiter zu verfolgen. Denn das kostet Zeit, Geld und Kraft.