Tipps & Tricks

ETFs: Wer steckt eigentlich dahinter?

Hinter einem ETF arbeiten mehrere Beteiligte zusammen. Wer genau ist denn da beteiligt? Und wie verdienen sie Geld?

Nadine Graf
Nadine Graf Geldanlage
ETFs: Wer steckt eigentlich dahinter?

Aus unserer Unterstützer-Community erreicht uns diese Woche die Frage:

“Wer kümmert sich eigentlich um mein Geld, wenn ich in einen ETF investiere – und wer verdient daran?”

Kurz gesagt: Bei Deinem ETF-Investment spielen neben Dir vier Parteien eine Rolle:  

  • der ETF-Anbieter
  • die Depotbank
  • der Indexanbieter
  • der Depotanbieter  

Geld verdienen vor allem der ETF-Anbieter und der Depotanbieter über geringe Gebühren.

1. Der ETF-Anbieter

Er gibt den ETF heraus. Sein Name steht immer ganz am Anfang des ETFs: Beim Vanguard FTSE Developed World ETF (ISIN: IE00BK5BQV03) ist z. B. Vanguard der Anbieter. Beim iShares MSCI World ETF (IE00B4L5Y983) ist es iShares.

Aufgabe: Die Anbieter bringen das Wertpapier auf den Markt, bilden den Index nach und kümmern sich um die Verwaltung. Welchen Index sie nachbilden, kannst Du auch immer im Namen erkennen: In unseren Beispielen bildet Vanguard den FTSE Developed World Index nach und iShares den MSCI World Index.

Geld verdienen die Anbieter über die laufenden Kosten – also die TER (= Total Expense Ratio). Die sollte für Dich immer möglichst niedrig sein. Diese Kosten zahlst Du nicht separat per Rechnung. Stattdessen werden sie direkt dem Fondsvermögen entnommen und sind bereits im ETF-Kurs berücksichtigt. Beim Vanguard-ETF liegt sie bei 0,12 % p. a. und beim iShares-ETF bei 0,2 %. Das ist deutlich günstiger als bei aktiv gemanagten Fonds. Wie hoch sie genau bei Dir ist, kannst Du im Factsheet Deines ETFs nachlesen.

2. Die Depotbank

Die Depotbank ist nicht Dein Broker oder die App, über die Du den ETF kaufst. Die Depotbank verwahrt im Hintergrund die Wertpapiere und das Vermögen des ETF. Sie arbeitet für die Fondsgesellschaft. Hast Du zum Beispiel einen ETF von iShares, liegen die enthaltenen Wertpapiere typischerweise bei einer großen Verwahrstelle wie State Street.

Sie sorgt also dafür, dass die Vermögenswerte der ETFs & Co. sicher aufbewahrt werden. Wichtig: Dein Geld gehört aber trotzdem Dir und weder dem Anbieter noch der Depotbank.

Übrigens: Dein Vermögen ist als sogenanntes Sondervermögen geschützt. Sollte der ETF-Anbieter oder die Depotbank pleitegehen, bleibt Dein Geld erhalten.

3. Der Indexanbieter

Indexanbieter sind zum Beispiel das Unternehmen MSCI oder FTSE Russell. Sie erstellen die Indizes wie den MSCI World oder den FTSE All-World. Die Indizes bestimmen, welche Aktien im ETF enthalten sind und wie stark sie gewichtet werden

Die ETF-Anbieter nutzen diesen Index dann als Bauplan für ihren ETF. Dafür zahlen sie Lizenzgebühren an den Indexanbieter. Die Lizenzgebühren zahlst Du nicht extra. Sie sind in den laufenden Kosten des ETF mit drin – also in der TER.

4. Der Depotanbieter

Um ETFs kaufen oder verkaufen zu können, brauchst Du einen Broker beziehungsweise Depotanbieter – also z. B. ING, Trade Republic oder Scalable Capital.  

Market Maker sorgen im Hintergrund dafür, dass das jederzeit gut funktioniert. Sie stellen also Kauf- und Verkaufspreise bereit.

Geld verdienen sie am Spread. Das ist die kleine Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis. Du zahlst diesen Betrag wahrscheinlich ohne es zu merken, wenn Du handelst. Denn er ist im Preis mit enthalten.

Ein Beispiel:

  • Der Kaufpreis für einen ETF-Anteil liegt bei 100 €. Das ist der Preis, zu dem andere Marktteilnehmerinnen und -teilnehmer oder Market Maker Deinen ETF-Anteil gerade kaufen würden
  • Der Verkaufspreis liegt aber bei 100,05 €. Das ist der Preis, zu dem Du denselben ETF-Anteil gerade kaufen könntest

Die Differenz zwischen beiden Preisen (also die 5 ct) sind der Spread. Der Spread ist also keine eigene Gebühr, die Dir separat angezeigt wird. Er steckt direkt im Preis und fällt nur an, wenn Du kaufst oder verkaufst.

Zusatzeinnahmen im Hintergrund

Manche ETFs können nebenbei noch etwas Geld einnehmen, z. B. durch Wertpapierleihe. Das heißt: Der ETF-Anbieter verleiht einzelne Aktien für kurze Zeit weiter und bekommt dafür eine Gebühr.

Dieses Geld bekommst Du nicht aufs Konto überwiesen. Es bleibt im Vermögen des ETFs und kann Dir dabei helfen, die Kosten wie die TER etwas zu senken. Ob Dein ETF das macht, siehst Du in den Unterlagen des ETF-Anbieters oder im Jahresbericht.

Du hast noch keinen ETF?

Am besten ist Dein Geld in einem weltweit gestreuten Aktien-ETF investiert: So verteilst Du Dein Geld auf viele Unternehmen aus verschiedenen Ländern und Branchen. Welcher ETF zu Dir passt, findest Du bequem mit unserem ETF-Finder heraus.

Damit Du auch investieren kannst, brauchst Du zuerst ein Depot. Die besten Anbieter findest Du in unserem Depot-Vergleich. Für alle Fälle empfehlen wir Dir Traders Place. Sehr günstige Depots gibt’s außerdem bei Smartbroker+, Finanzen.net Zero, Scalable Capital (Free Broker), Comdirect Pure Depot und Trade Republic; günstige Alternativen sind Comdirect, S Broker, Consorsbank oder ING.

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Von Giulia Tita
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