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Krankenkassen-Hammer für Gutverdiener? Mach nicht diesen Fehler

Du verdienst gut und bist gesetzlich krankenversichert? Dann dürfte Dein Beitrag zum Jahreswechsel deutlich stärker steigen als gewohnt. Wir zeigen Dir, wie hart Dich das treffen würde und ob Du jetzt doch in die PKV fliehen solltest.

Anja Schlicht
Anja Schlicht Krankenversicherungen
Krankenkassen-Hammer für Gutverdiener? Mach nicht diesen Fehler

Erhöhung geplant: Krankenkasse für Gutverdiener bald teurer?
Dafür stabiler Zusatzbeitrag: Würde einen Großteil abfangen
Besser privat versichern? Überstürz jetzt nichts

Kennst Du die JAEG und BBG? Das sind Abkürzungen für zwei komplizierte Begriffe in der gesetzlichen Krankenversicherung: Jahresarbeitsentgeltgrenze und Beitragsbemessungsgrenze.

Die erste Grenze bestimmt, bis zu welchem Einkommen Du in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert sein musst – also nicht zu einer privaten Versicherung wechseln darfst. 2026 liegt sie bei 77.400 € brutto pro Jahr. Die zweite Grenze zeigt, bis zu welchem Einkommen Du Krankenkassenbeiträge zahlen musst. 2026 sind das 69.750 €.

GKV-Reform: Zusätzliche Erhöhung für Gutverdiener geplant

Beide Grenzen werden immer zum Jahreswechsel geändert, abhängig von der allgemeinen Lohnentwicklung im Vorjahr. Also steigen sie fast immer, zuletzt um einige Tausend Euro. Das bedeutet bei der BBG: Liegt Dein Einkommen darüber, zahlst Du bei einem Anstieg der Grenze deutlich mehr für die Krankenkasse.

Weil in der GKV 2027 viele Milliarden fehlen, plant das Gesundheitsministerium u. a., diese Grenze 2027 einmalig zusätzlich zu erhöhen – über die Kopplung an die Löhne hinaus.

Also ein Krankenkassen-Beitragshammer für Gutverdiener?

Erstmal scheint es so. Geplant ist eine um 300 €/Monat bzw. 3.600 €/Jahr höhere Grenze:

Bis zu diesem Bruttoeinkommen zahlst Du GKV-Beiträge

Das klingt nach viel. Aber wie viel würde das ausmachen? Schauen wir uns mal an, was die Änderung bedeuten würde, wenn sie schon 2026 gelten würde: Beim durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 2,9 % zahlen Angestellte aktuell max. ca. 509 €/Monat für die GKV. Mit einer um 300 €/Monat höheren BBG wären es ca. 535 €/Monat – also ca. 26 € mehr pro Monat.

Aufs Jahr gerechnet würdest Du also über 300 € mehr für die Krankenkasse zahlen. Bist Du selbstständig, musst Du alle Zahlen verdoppeln. Anders als Angestellte musst Du dann nämlich auch den Arbeitgeberanteil zahlen.

2027 sollte sich das in einem ähnlichen Rahmen abspielen – aber nur, wenn der durchschnittliche Zusatzbeitrag stabil bleibt. Damit das gelingt, braucht es die geplante GKV-Reform. Die höhere Grenze für Gutverdienende ist darin eines von vielen Sparvorhaben. Ohne die Reform müsste der durchschnittliche Zusatzbeitrag laut Gesundheitsministerium 2027 auf 3,65 % steigen. Es würde nicht nur für Besserverdienende, sondern für alle Versicherten deutlich teurer.

Ohne Reform hohe Zusatzbeiträge – auch für Gutverdiener

Wir haben das mal ausgerechnet: Stell Dir vor, Dein Zusatzbeitrag steigt 2027 von 2,9 auf 3,65 %. Dann würde Dich die GKV als Gutverdiener max. rund 530 € statt rund 509 €/Monat kosten – also etwa 21 € mehr pro Monat. Das sind nur 5 € weniger als Dich die um 300 €/Monat höhere Bemessungsgrenze belasten würde. 

Heißt: Ohne GKV-Reform mit BBG-Erhöhung würde es für Gutverdienende 2027 ähnlich teurer werden. Die höhere Bemessungsgrenze wäre einfach Dein Zutun, um generell höhere Zusatzbeiträge zu verhindern. Genauso wie sich auch Krankenhäuser, Praxen und Pharmakonzerne beteiligen müssen.

Willst Du genauer sehen, wie sich diese und andere geplante Maßnahmen des Gesundheitsministeriums auf den Zusatzbeitrag auswirken, schau in unseren Rechner zur GKV-Reform.

Dein finales Netto hängt noch an anderen Dingen

Außerdem: Alle Zahlen bedeuten nicht, dass Du beim Nettoeinkommen 2027 genau so viel weniger haben wirst. Final beschlossen ist noch nichts. Außerdem ändert sich zum Jahreswechsel noch mehr, was sich auf Dein Netto auswirkt – z. B. der Grundfreibetrag bei der Steuer.

Willst Du bei der GKV sparen, lohnt sich immer ein Blick in unseren GKV-Vergleich. Aktuell empfehlen wir Dir HKK, TK, Audi BKK und DAK.

Jetzt in die private Krankenversicherung (PKV) fliehen?

Mit diesem Gedanken spielst Du vielleicht, falls Du gut verdienst und jetzt von steigenden GKV-Beiträgen hörst. Denn die PKV wird Dir gerne mal als Sparmodell angepriesen. Kurzfristig kann das auch stimmen, langfristig aber ganz anders aussehen: Vor allem unterkalkulierte Billigtarife werden mit dem Alter deutlich teurer. 

Das kann zur Kostenfalle werden, zumal Du im Ruhestand oft geringere Einnahmen hast. Ein Wechsel zurück in die GKV ist dann extrem schwierig.

Wichtig: Wir raten Dir nicht generell von der PKV ab, sie kann auch eine sehr gute Wahl sein. Sonst würden wir Dir nicht Hoesch & Partner, Buddenbrock Concepts, Dr. Schlemann unabhängige Finanzberatung, BVLG - Beamtenversorgung leicht gemacht und Fachzentrum Finanzen Dieter Homburg als PKV-Makler empfehlen.

Nutz im Gespräch unsere Leistungsübersicht (PDF), um einordnen zu können, ob Dir angebotene Tarife alles Wichtige abdecken. Mit unserer Checkliste (PDF) erkennst Du, ob die Beratung vollständig war.

So entscheidest Du richtig

Entscheid Dich nur auf keinen Fall voreilig für die PKV – vor allem nicht allein, weil Du mit einem Systemwechsel kurzfristig beim Beitrag sparst. Und fäll diese Entscheidung selbst, also noch ohne Makler. Dort kannst Du bei der Tarifwahl oft sehr viel eher eine neutrale Beratung erwarten als bei der Frage, ob Du überhaupt in die PKV solltest.

Bedenk dabei u. a., dass Du in der PKV alle Familienmitglieder einzeln versichern musst. Das kann vor allem mit mehreren Kindern schnell viel teurer werden als die kostenlose Familienversicherung der GKV. Dort soll es laut den GKV-Reformplänen zwar auch Einschnitte geben, aber nur für mitversicherte Partner, nicht für Kinder.

Deine Familienplanung sollte Dir also möglichst klar sein. Gleichzeitig lohnt sich ein Wechsel in die PKV aber vor allem, wenn Du noch recht jung bist. So kann der Versicherer über längere Zeit Rücklagen fürs Alter bilden.

Willst Du genauer wissen, wann sich die PKV für Dich lohnt, schau in unseren Ratgeber PKV statt GKV.

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