Betriebshaftpflichtversicherung Brauchst Du als Arbeitgeber eine Betriebshaftpflicht?

Henriette Neubert
Henriette Neubert
Expertin Versicherungen

Das Wichtigste in Kürze

  • Hast Du ein Unternehmen, haftest Du nicht nur für Schäden, die Du selbst im betrieblichen Umfeld verursachst, sondern auch für solche, die auf Deine Angestellten zurückgehen.
  • Für einige Berufe gibt es daher eine Pflicht zur Betriebshaftpflichtversicherung, zum Beispiel für Apotheken oder Sicherheitsunternehmen.
  • Doch auch in anderen Berufen ohne Pflicht ist die Versicherung ratsam, etwa für Handwerksunternehmen oder Fitnessstudios.

So gehst Du vor

  • Prüf, ob Du Dich als Unternehmer oder Unternehmerin gegen Haftpflichtschäden versichern musst.
  • Auch wenn es keine Pflicht gibt: Überleg, was Dir oder Deinen Angestellten passieren kann und welche Kosten dann auf Dich zukommen würden.
  • Lass Dir von verschiedenen Betriebshaftpflichtversicherern Angebote erstellen. Vergleich die Versicherungssummen und wichtige Leistungen der einzelnen Tarife miteinander.

Für Schäden, die wir fahrlässig verursachen, müssen wir haften. Auch, wenn Du ein Unternehmen hast, kann Dir oder einem Angestellten während der Arbeit ein Unglück passieren. Zum Beispiel, wenn Du als Steuerberater eine Frist versäumst und dem Kunden Geld entgeht oder Deine Reinigungskräfte im Wohnhaus eines Kunden eine Fensterscheibe beschädigen. Deine Privathaftpflichtversicherung ist dann jedoch nicht zuständig. Für solche Schäden benötigst Du als Unternehmer eine Betriebshaftpflichtversicherung. Was Du darüber wissen musst, erfährst Du in diesem Ratgeber.

Wer braucht eine Betriebshaftpflichtversicherung zwingend?

Wichtig ist eine Betriebshaftpflicht für Unternehmer immer dann, wenn Fehler bei der Arbeit hohe Kosten verursachen können. Hierzu zählen zum Beispiel:

  • Handwerksbetriebe
  • Bauunternehmen
  • Friseursalons
  • Fitnessstudios
  • Hausmeisterfirmen
  • Gebäudereinigungsunternehmen

Eine Betriebshaftpflichtversicherung deckt die Haftpflichtschäden ab, die während der betrieblichen Tätigkeit durch Dich oder Deine Angestellten entstehen. Der Versicherungsschutz erstreckt sich aber nicht nur über den Hauptsitz und dessen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Auch Niederlassungen der Betriebe (§ 102 VVG) und selbst Subunternehmer können mit in den Versicherungsschutz eingeschlossen werden.

Als Selbstständiger oder Unternehmerin ohne Angestellte kannst Du Dich mit einer Berufshaftpflichtversicherung absichern. In unserem Ratgeber zur Berufshaftpflichtversicherung erfährst Du, wie Du Dich als Einzelperson im Job schützt.

Welche Haftpflichtversicherungen sind im Beruf wichtig?

BerufsgruppeBerufshaftpflichtVermögensschadenhaftpflichtBetriebshaftpflicht
Rechtsanwälte, -inneneher nicht nötigPflicht, Bundesgesetz1über Vermögensschadenhaftpflicht
Notare, -inneneher nicht nötigPflicht, Bundesgesetz2über Vermögensschadenhaftpflicht
Steuerberater, -inneneher nicht nötigPflicht, Bundesgesetz3über Vermögensschadenhaftpflicht
Wirtschaftsprüfer, -inneneher nicht nötigPflicht, Bundesgesetz4über Vermögensschadenhaftpflicht
Immobilienkreditvermittler, -inneneher nicht nötigPflicht, Bundesgesetz5über Vermögensschadenhaftpflicht
Inkassobüroeher nicht nötigPflicht, Bundesgesetz6über Vermögensschadenhaftpflicht
Finanzanlagenvermittler, -inneneher nicht nötigPflicht, Bundesgesetz7über Vermögensschadenhaftpflicht
Architekt, -innen/ Ingenieur, -innensinnvollPflicht, Regelungen der Berufskammern der Länder8über Vermögensschadenhaftpflicht
Unternehmensberater, -inneneher nicht nötigsinnvollüber Vermögensschadenhaftpflicht
HebammenPflicht, Bundesgesetz9unnötigunnötig
Ärzte, ÄrztinnenPflicht, Bundesgesetz10unnötigmit Angestellten u.U. Pflicht, mindestens empfehlenswert
Pflegekräftefür Selbstständige empfehlenswert; bei Angestellten u.U. Diensthaftpflichtunnötigmit Angestellten empfehlenswert
Psychotherapeuthen, -innenPflicht, Bundesgesetz11unnötigmit Angestellten u.U. Pflicht, mindestens empfehlenswert
Apotheker, -innenPflicht, Bundesgesetz12unnötigfür Betreiber einer Apotheke Pflicht
SicherheitsunternehmensinnvollPflicht, Bundesgesetz13mit Angestellten empfehlenswert
Immobilien-/HausverwaltungsinnvollPflicht, Bundesgesetz14mit Angestellten empfehlenswert
Handwerker, -innensinnvollunnötigmit Angestellten empfehlenswert
Friseure, -innensinnvollunnötigmit Angestellten empfehlenswert
Kosmetiker, -innensinnvollunnötigmit Angestellten empfehlenswert
Hausmeister, -innensinnvollunnötigmit Angestellten empfehlenswert
Gebäudereiniger, -innensinnvollunnötigmit Angestellten empfehlenswert
Yogalehrer, -innen/ Fitnesstrainer, -innensinnvollunnötigmit eigenem Studio & Angestellten empfehlenswert
Ernährungsberater, -innensinnvollunnötigmit Angestellten empfehlenswert
Köche, Köchinnenunnötigunnötigim Betrieb sinnvoll
Restaurantfachpersonalunnötigunnötigim Betrieb sinnvoll
Einzelhandelspersonalunnötigunnötigim Betrieb sinnvoll

1§ 51 BRAO;
2§ 19a BnotO;
3§ 67 StBerG;
4§ 54 WPO;
5 § 34c Abs. 2 Satz 3 GewO;
6 § 12 Abs. 1 Nr. 3 RDG;
7 § 34f Abs. 2 Nummer 3 und § 34h Abs. 1 Satz 4 GewO, § 9 FinVermV;
8 Regelungen der Länder, z.B. § 33 Abs. 2 Nr 5 Baukammerngesetz Nordrhein-Westfalen (BauKaG NRW);
9§ 8 Abs. 1 Satz 4 HebG und Berufsverband;
10 § 95e SGB V und Berufsordnungen der Ärztekammern;
11 § 95e SGB V und Berufsordnungen der Ärztekammern;
12 Regelungen der Länder, z.B. § 16 Berufsordnung für Apothekerinnen und Apotheker Bayern
13 § 34a Abs. 1 Nr. 4 GewO;
14 § 34c Abs. 2 Satz 3 GewO
Quelle: Finanztip-Recherchen (Stand: 13. November 2025)

Was deckt eine Betriebshaftpflichtversicherung ab?

Innerhalb der Betriebshaftpflichtversicherung sind Personen-, Sach- und Vermögensfolgeschäden abgesichert, die während der Berufstätigkeit aus Fahrlässigkeit entstanden sind. Also, weil Du oder Mitarbeitende unvorsichtig oder unachtsam waren. Verlierst Du zum Beispiel den Schlüssel eines Kunden, mit dem dann eingebrochen wird, ist der Schaden aus dem Einbruch versichert. Ebenfalls versichert sind Umweltschäden, die durch die betriebliche Tätigkeit entstehen. Also, wenn beispielsweise ein versehentlich offen stehen gelassener Öltank umkippt und das Öl den Erdboden vergiftet.

Sind in der Betriebshaftpflicht Schäden im Unternehmen versichert?

Ja, entsteht ein Schaden innerhalb des Unternehmens durch einen Mitarbeiter, ist auch der versichert. Ausgenommen davon sind Unfallpersonenschäden. Verletzt sich ein Angestellter auf der Arbeit, ist dies Sache der Unfallversicherung.

Wieso ist passiver Rechtsschutz in der Betriebshaftpflicht wichtig?

Weil durch passiven Rechtsschutz der Versicherer unberechtigte Forderungen für Dich prüft und gegebenenfalls auch abwehrt. Das ist ein wichtiger Bestandteil jeder Haftpflichtversicherung und auch der Betriebshaftpflichtversicherung. Du musst Dich dabei um nichts kümmern, außer den vermeintlichen Schaden Deiner Versicherung zu melden.

Welche Zusatzleistungen lassen sich einschließen?

Je nach Anbieter sind Zusatzbausteine wie die Produkthaftung, eine Diskriminierungshaftpflicht oder eine Drohnenhaftpflichtversicherung erhältlich.

Wie unterscheidet sich eine Vermögensschadenhaftpflicht von der Betriebshaftpflicht?

Eine Vermögensschadenhaftpflicht reicht aus, wenn in Deinem Beruf reine Vermögensschäden drohen. Das betrifft in erster Linie beratungsintensive Arbeitsfelder wie etwa bei Notaren, Rechtsanwältinnen oder Unternehmensberatungen. Auch hier gibt es bestimmte Bereiche, in denen eine Versicherungspflicht besteht. Wer in einem solchen Beruf arbeitet, dem reicht eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung aus, um zumindest die gesetzliche Pflicht zu erfüllen. Sie kann für Einzelpersonen und Unternehmen abgeschlossen werden.

Was kostet eine Betriebshaftpflichtversicherung?

Von ein paar Hundert Euro bis mehrere Tausend Euro pro Jahr reicht hier die Spanne laut unserer Internetrecherche. Denn pauschale Angaben zu Beiträgen sind bei der Betriebshaftpflichtversicherung nicht möglich. Die Kosten für die Versicherung sind von verschiedenen Variablen abhängig. Zum Beispiel der Umsatzhöhe, der Branche, der Anzahl der Mitarbeiter und welche Zusatzleistungen Du vielleicht möchtest. 

Für einen neu gegründeten Dachdeckerbetrieb mit zwei Angestellten und einem Jahresumsatz von 120.000 Euro kosten die Beiträge beispielsweise ab gut 1.000 Euro aufwärts, mit einer Selbstbeteiligung von 1.000 Euro.

Für ein Restaurant mit drei Angestellten werden nur gut 100 Euro fällig. Auch hier wird eine Selbstbeteiligung fällig.

Henriette Neubert

Je risikoreicher die Branche, desto höher die Beiträge. Auch mehr Angestellte und mehr Aufträge bedeuten ein höheres Risiko.

Henriette Neubert
Unsere Finanztip-Expertin für Versicherungen

Sind im Versicherungsschutz mehr Leistungen enthalten, erhöht auch das die Beiträge. Zu diesen Zusatzleistungen gehören beispielsweise Cyberschutz, Drohnenhaftpflicht oder Umwelthaftpflicht.

Wie kannst Du Beiträge sinnvoll senken?

Beiträge lassen sich immer gut senken, indem Du eine Selbstbeteiligung vereinbarst. Unsere oben genannten Beispiele sind bereits mit einer hohen Selbstbeteiligung, ohne diese wären die Beiträge höher. Außerdem solltest Du Tarife vergleichen. Nutz dafür Vergleichsportale und lass Dir Angebote von verschiedenen Anbietern erstellen. Nicht verzichten solltest Du hingegen auf wichtige Leistungen.