Vermögensschadenhaftpflicht Richtig abgesichert bei teuren Fehlern im Job

Henriette Neubert
Henriette Neubert
Expertin Versicherungen

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung zahlt, wenn Du als Selbstständiger oder Unternehmer bei Kunden einen finanziellen Schaden verursachst, etwa wenn einem Klienten Geld entgeht, weil Du eine Frist versäumst.
  • Für Berufe, bei denen große Vermögensschäden entstehen können, ist die Versicherung gesetzlich vorgeschrieben, etwa bei Rechtsanwälten oder Notaren. Für andere, zum Beispiel Unternehmensberater, ist sie sinnvoll.
  • Im privaten Bereich sind Vermögensschäden in der Privathaftpflichtversicherung mitversichert.

So gehst Du vor

  • Prüfe, ob es in Deinem Beruf eine gesetzliche Pflicht gibt oder ob es zu größeren finanziellen Schäden kommen kann. Eine Übersicht zu Berufen mit Pflicht findest Du hier.
  • Wenn Du eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung willst oder brauchst, hol mehrere Angebote ein und vergleich Leistungen sowie Beiträge.
  • Achte auf eine hohe Versicherungssumme; bei einer Versicherungspflicht gibt es eine Mindestsumme, abhängig von Deiner Branche liegt sie bei mindestens 250.000 Euro.

Klickst Du auf eine Empfehlung mit *, unterstützt das unsere Arbeit. Finanztip bekommt dann eine Vergütung. Empfehlungen sind aufwändig recherchiert und basieren auf den strengen Kriterien der Finanztip-Expertenredaktion. Mehr Infos

Im Beruf können schon kleine Unachtsamkeiten teure Schäden verursachen. Du setzt als Steuerberater ein Komma falsch, wodurch Deinem Kunden eine Steuerrückzahlung entgeht, oder verpasst eine wichtige Frist. Für solche finanziellen Schäden bist Du haftbar und musst dafür aufkommen. Eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung übernimmt solche Schäden für Dich. Für einige Berufe wie Steuerberater, Notar oder Rechtsanwalt ist sie sogar Pflicht. Welche Berufe sich außerdem gegen Vermögensschäden absichern sollten und was Du dabei beachten musst, erfährst Du in diesem Ratgeber.

Was genau ist eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung?

Eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung schützt Dich, wenn Du im Arbeitskontext einen Kunden oder eine Mandantin finanziell schädigst. Zum Beispiel, wenn Du als Wirtschaftsprüferin falsch rechnest oder als Rechtsanwalt eine Frist versäumst, sodass Deine Klienten finanzielle Probleme bekommen. Das kann eine Strafe sein, oder Deine Klienten erhalten eine wichtige Zahlung nicht.

In Abgrenzung dazu handelt es sich um einen Personenschaden, wenn Du eine Person verletzt. Wenn Du ein Auto beschädigst, handelt es sich um einen Sachschaden. Haftpflichtversicherungen oder Berufshaftpflichtversicherungen sichern alle genannten Schadensarten ab. 

Was sind echte und unechte Vermögensschäden?

Echte Vermögensschäden sind reine Geldschäden ohne vorausgehenden Sach- oder Personenschaden. Von unechten Vermögensschäden spricht man bei sogenannten Vermögensfolgeschäden. Sie sind, wie der Name schon sagt, die Folge eines Sach- oder Personenschadens. Wenn Du also versehentlich die Kamera einer Fotografin zerstörst, ist die kaputte Kamera ein Sachschaden, der dazu führen kann, dass die Fotografin einen ihrer Aufträge verpasst. In beratenden und prüfenden Berufen kommen solche Schäden jedoch eher nicht vor, weshalb eine Vermögensschadenhaftpflicht in der Regel ausreicht.

Für wen ist eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung relevant?

Eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung ist für einige Berufe besonders sinnvoll, nämlich wenn Du hohe Vermögenswerte Deiner Kundschaft verantwortest. Für andere Berufe ist eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung gesetzlich vorgeschrieben, zum Beispiel für:

Warum gibt es die gesetzliche Pflicht zur Versicherung?

In einigen Berufen führt eine kleine Fahrlässigkeit zu besonders großen finanziellen Schäden, weshalb es für sie eine Pflicht zur Vermögensschadenhaftpflicht gibt. Wirtschaftsprüfer oder Steuerberaterinnen etwa tragen eine enorme Verantwortung für das Vermögen ihrer Kunden. Aus diesem Grund gibt es für solche Berufe die Pflicht, eine Vermögensschadenhaftpflicht abzuschließen.

In anderen Berufen, in denen es auch zu anderen Schäden kommen kann, gibt es die Berufshaftpflicht, die dann ebenfalls Personen- und Sachschäden übernimmt. Wichtig ist diese zum Beispiel für Ärzte, Apothekerinnen oder Architektinnen. Mehr dazu, und wer diese Versicherung zwingend braucht, erfährst Du in unserem Ratgeber zur Berufshaftpflicht.

Brauchst Du eine Absicherung als Angestellte?

Wenn Du angestellt bist, dann übernimmt die Versicherungspflicht der Arbeitgeber – Du bist über Dein Unternehmen versichert. Wer selbst Angestellte hat, muss alle Angestellten absichern. Dazu zählen auch Praktikantinnen oder Werkstudierende. Du kannst auch Freiberufler und Mitarbeiter einer Zeitarbeitsfirma absichern. 

Für welche weiteren Berufe ist die Versicherung sinnvoll?

In vielen beratenden oder prüfenden Berufen kann eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung sinnvoll sein, wenn ein Fehler schnell hohe Geldschäden auslöst. Hierzu zählen zum Beispiel:

  • Unternehmensberatungen
  • IT-Dienstleister
  • Werbeagenturen
  • Gutachter – zum Beispiel für Immobilien
  • Vereine und Verbände

Was, wenn Du keine Vermögensschadenhaftpflicht hast?

In vielen Fällen haftest Du dann mit Deinem Privatvermögen. Nämlich wenn Deine Firma eine Personengesellschaft ist, das heißt eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), eine Kommanditgesellschaft (KG), eine offene Handelsgesellschaft (OHG) oder wenn Du freiberuflich Kunden berätst. 

Was ist mit der Vermögensschadenversicherung abgedeckt?

Mit einer Vermögensschadenhaftpflicht versicherst Du Vermögensschäden, die durch Deine berufliche Tätigkeit entstehen können. Diese Schäden können Deine Kunden und Kundinnen treffen, beispielsweise durch:

  • mangelhafte Gutachten
  • fehlerhafte Beratung
  • Urheberrechtsverletzungen
  • Fristversäumnisse

Aber es gibt Einschränkungen. Die Schäden sind bis zur maximalen Versicherungssumme abgedeckt und es sind auch nicht alle möglichen Schäden abgedeckt. Vielmehr hängt es davon ab, was in Deinem Vertrag geregelt ist.

Wie hoch muss die Versicherungssumme bei Vermögensschäden sein?

Bei einer gesetzlichen Pflicht ist die Mindestversicherungssumme im Gesetz festgelegt. So heißt es beispielsweise in Paragraf 51 Absatz (4) Satz 1 der Bundesrechtsanwaltsordnung: „Die Mindestversicherungssumme beträgt 250.000 Euro für jeden Versicherungsfall.“ Beim Abschluss einer Pflichtversicherung musst Du also auch darauf achten, dass die Mindestversicherungssumme enthalten ist.

Grundsätzlich sollte Deine Versicherungssumme immer so hoch sein, dass sie für einen Schaden in Deinem Job ausreicht. Das hängt auch von Deinen Kunden und Aufträgen ab.

Was bedeutet offene und geschlossene Deckung?

Bei der geschlossenen Deckung sind nur die Fehler versichert, die vertraglich schriftlich aufgelistet sind. Erweiterst Du später Deinen Tätigkeitsbereich, musst Du prüfen, ob die neue Tätigkeit mitversichert ist. Unter Umständen musst Du den Versicherungsschutz dann erweitern. 

Bei der offenen Deckung musst Du das nicht. Deine Versicherung zahlt dann für alle Schäden, die typischerweise bei Deiner Berufsausübung vorkommen können.

Wie hilft Dir der passive Rechtsschutz?

Der passive Rechtsschutz in der Vermögensschadenhaftpflicht prüft Ansprüche gegen Dich und wehrt unberechtigte Forderungen ab. Wenn Dich ein Kunde eines Fehlers bezichtigt und Schadensersatz verlangt, meldest Du dies Deiner Vermögensschadenshaftpflichtversicherung. Diese prüft, ob die Forderungen gerechtfertigt sind. Sind sie es, zahlt die Versicherung den Schaden. Kommt die Versicherung zu dem Schluss, dass die Forderung ungerechtfertigt ist, wehrt Deine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung die unberechtigten Ansprüche ab. Notfalls auch vor Gericht.

In welchen Fällen leistet die Versicherung nicht?

Deine Vermögensschadenhaftpflicht zahlt nicht bei vorsätzlichen oder strafbaren Handlungen und nicht bei Sach- oder Personenschäden. Wenn Du zum Beispiel absichtlich eine falsche Steuererklärung erstellst, ist das nicht versichert. Wird jemand durch die Berufsausübung verletzt oder geht eine Sache kaputt, ist dies ebenfalls nicht im Versicherungsschutz eingeschlossen.

Was kostet eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung?

Die Kosten einer Vermögensschadenhaftpflichtversicherung hängen vom Risiko Deines Berufs und weiteren Tarifmerkmalen ab:

  1. Ein Kriterium ist der Beruf an sich und die Branche. Wirtschaftsprüfer beispielsweise können tendenziell höhere Schäden verursachen als Rechtsanwälte. Wenn die finanzielle Verantwortung bei Klienten größer ist, sind die Beiträge höher.
  2. Auch der konkrete Tätigkeitsbereich spielt eine Rolle. Ein Anwalt für Sozialrecht hat eine geringere finanzielle Verantwortung als ein Anwalt für Wirtschaftsrecht. Je höher das Risiko von Vermögensschäden ist, desto höher die Beiträge.
  3. Der Jahresumsatz gibt einen Hinweis auf die Größe Deines Unternehmens und die finanziellen Risiken, die Du bei Kunden hast. Ein höherer Umsatz bedeutet höhere Versicherungsbeiträge.
  4. Wer Angestellte hat, muss mehr zahlen, um diese mitzuversichern, ebenso eventuell vorhandene Zweigstellen oder Niederlassungen.
  5. Existenzgründer, die ihr Unternehmen in den letzten sechs Monaten gegründet haben, erhalten bei vielen Anbietern einen Rabatt. Dieser liegt bei bis zu 25 Prozent.
  6. Auch der Leistungsumfang des Tarifs beeinflusst die Beiträge.

Wie hoch können die Beiträge konkret sein?

Mit einigen Hundert Euro im Jahr musst Du rechnen. Eine Online-Abfrage ist schwierig, da die meisten Portale und Anbieter die Beiträge nur nach individueller Beratung berechnen. Das ist grundsätzlich sehr sinnvoll, da es um die Einschätzung Deines individuellen Risikos geht. Allgemeine Aussagen erschwert es jedoch. 

Eine kleine Finanztip-Anfrage bei einem Direktanbieter im Februar 2026 zeigt aber beispielhaft die Beitragsunterschiede verschiedener Berufsfelder.

Beispiel 1: 

  • Rechtsanwalt ohne Mitarbeiter in Berlin
  • Kanzlei besteht sein fünf Jahren
  • Jahresumsatz von 100.000 Euro 

Die Beiträge lagen für einen Tarif mit einer Versicherungssumme von 250.000 Euro bei 714 Euro im Jahr ohne Selbstbeteiligung und mit Selbstbeteiligung bei 555 Euro. Bei einer Versicherungssumme von einer Millionen Euro beträgt der Jahresbeitrag 1.388 Euro ohne, mit einer Selbstbeteiligung von 1.000 Euro liegt er bei 1.099 Euro.

Beispiel 2: 

  • Unternehmensberaterin mit zwei Mitarbeitenden  
  • Unternehmen besteht seit acht Jahren
  • der Jahresumsatz beträgt 100.000 Euro
  • keine Finanzberatung, keine Beratungen im Bereich Umwelt- oder Abfallwesen 

Die Versicherungssummen sind in den Tarifen andere als beim Rechtsanwalt. Der günstigste Tarif hat eine Versicherungssumme von 100.000 Euro, der Jahresbeitrag liegt bei 204 Euro ohne Selbstbeteiligung, eine Selbstbeteiligung von 1.000 Euro senkt den Beitrag auf 183 Euro. Im höchsten Tarif mit einer Versicherungssumme von 500.000 Euro muss die Unternehmensberaterin zwischen 295 und 328 Euro im Jahr bezahlen.

Wie findest Du den richtigen Versicherungsschutz?

Den passenden Versicherungsschutz findest Du, indem Du mehrere individuelle Angebote einholst und Leistungen sowie Beiträge sorgfältig vergleichst. Meist musst Du für ein Versicherungsangebot erst eine Anfrage stellen und bekommst dann ein individuelles Angebot per Mail. Direkt online bei Anbietern oder über Vergleichsportale kann die Versicherung selten abgeschlossen werden.

Auch wenn es etwas mehr Aufwand ist, solltest Du mehrere Angebote einholen und miteinander vergleichen. Auf diese Weise bekommst Du auch wirklich einen guten Versicherungsschutz und musst nicht unnötig viel bezahlen. Überleg Dir deshalb, welche Leistungen Du brauchst, und auch, ob eine geschlossene Deckung reicht oder eine offene Deckung sinnvoller ist.

Wenn alle wichtigen Leistungen enthalten sind, dann kannst Du Beiträge vergleichen. Verzichte aber nicht auf Leistungen, um ein paar Euro Versicherungsbeiträge zu sparen. Dafür kannst Du eine Selbstbeteiligung vereinbaren.

* Was der Stern bedeutet:

Finanztip ist kein gewöhnliches Unternehmen, sondern gehört zu 100 Prozent zur gemeinnützigen Finanztip Stiftung. Die hat den Auftrag, die Finanzbildung in Deutschland zu fördern. Alle Gewinne, die Finanztip ausschüttet, gehen an die Stiftung und werden dort für gemeinnützige Projekte verwendet – wie etwa unsere Bildungsinitiative Finanztip Schule.

Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, eigenständig die für sie richtigen Finanzentscheidungen zu treffen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links jedoch anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion ausführlich analysiert und empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Für uns als gemeinwohlorientiertes Unternehmen hat es natürlich keinen Einfluss auf die Empfehlungen, ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Dich als Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.

Unterstütze uns
Mit Deinem Beitrag unterstützt Du uns bei der unabhängigen Recherche für unsere Ratgeber.